Beiträge gettagt mit Schatten

Weiches Licht bei Portraitaufnahmen

In weichem Licht wirken Gesichter in aller Regel am attraktivsten. Deshalb sind die Maßnahmen zur Streuung des Lichts unabdingbares Fachwissen für den Porträtfotografen.

Foto: Thomas Weißenfels, aboutpixel.de

Porträts beruhen mehr als jedes andere fotografische Vorhaben auf weichem Licht, denn das Gesicht eines Menschen mit seiner Oberfläche aus  Vertiefungen, Erhebungen und Flächen wirkt deutlich attraktiver, wenn die Übergänge von Licht zu Schatten weich und fließend abgelichtet werden. Es kann natürlich auch vorkommen, dass man einmal Linien oder Falten betonen möchte oder einfach nur einen starken Kontrast erzeugen – aber bei den meisten Porträts geht es eher um die Attraktivität.

Technisch erreicht man weiches Licht dadurch, dass man die strahlende Oberfläche der Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv vergrößert. Ein Lichtpunkt, zum Beispiel von einem Laserpointer, wirft auf einem großen Objekt sehr harte Schatten, während eine Lichtquelle von Fenstergröße auf einem nah davor liegenden Objekt fast keine Schatten erzeugt. Das kann man sich auch anhand des Strahlenganges klar machen.

Licht bündeln

anders als bei Reflektion und Diffusion soll durch Bündelung das Licht auf einen bestimmten Bereich begrenzt werden. Dadurch entstehen starke Schatten und ein entsprechend hoher Kontrast, aus dem sich dramatische Effekte ergeben können.

Foto: Peter Smola, aboutpixel.de

Diffusion vergrößert zwar die Lichtfläche, aber deshalb ist Bündelung nicht etwa genau das Gegenteil. Die Bündelung zielt auf das Licht ab, das direkt auf das zu fotografierende Objekt fällt, auf seine Stärke, Form und die Schärfe der Kanten.

Man kann das Licht an unterschiedlichen Stellen im Strahl bündeln. So zum Beispiel durch einen parabolisch geformten Reflektor hinter der Lampe, durch eine fokussierende Linse oder durch Maskieren des Lichtes nah beim Objekt. Die effizienteste Methode dabei ist die Linse, mit der auch Spots und Luminaires arbeiten. Damit bekommt man einen präzise abgegrenzten Lichtkreis auf dem Objekt, dessen Größe variabel ist.

Es gibt auch Spotvorsätze für Blitzgeräte, aber einfacher sind die für Dauerlicht, bei denen man den Effekt mit den Augen abschätzen kann.

Reflektoren

Wenn man ein Studio-Licht vom Motiv weg gegen eine große helle Oberfläche richtet, hat man ohne besonderen Aufwand ein stark diffuses Licht erzeugt. Wenn das Studio sehr klein ist, kann das auch schon einmal versehentlich passieren, da muss man aufpassen!

Das von einer hellen Fläche zurückgeworfene Licht ist grundsätzlich eine Alternative zur Diffusion. Das Prinzip ist ähnlich, auch dabei wird die Lichtfläche vergrößert. Und auch die Wirkung entspricht der eines Diffusors. Die Schatten werden reduziert und der Kontrast wird geringer.

Das reflektierte Licht ist nicht so einfach zu kontrollieren wie diffuses Licht und eignet sich deshalb weniger für Stillleben. Trotzdem kann es eine effektive, einfache Methode der Ausleuchtung sein, denn große helle Flächen finden sich fast überall und man braucht keinerlei Vorsatz für das Fotolicht. Der große Pluspunkt des reflektierten Lichts ist seine starke Streuung, die es sehr weich, fast schattenlos macht. Besonders gut geeignet ist das reflektierte Licht, wenn man nur die Lichtstärke erhöhen möchte, um eine andere Blende oder Belichtungszeit benutzen zu können.

Weiß ohne Schatten in schwierigen Fällen

In schwierigen Fällen kann die im Artikel “Weiß ohne Schatten” beschriebene Methode nicht ausreichend sein. Wenn noch Schatten oder Flecken auf dem Bild zu sehen sind, sollte die Intensität des Gegenlichtes höher wereden und die Ausleuchtung gleichmäßiger.

Die Streuung wird stärker, wenn die Plexiglasscheibe dicker wird, und zwar bis zu einer Dicke von ungefähr 8 mm. Dabei sinkt allerdings die Lichtintensität ab und eventuell muss eine stärkere Lichtquelle eingesetzt werden. Auch das Verschieben der Lichtquelle von der Scheibe weg erhöht die Streuung, aber auch das verringert die Lichtstärke. Eine gute Lösung für die Lichtstärke ist es, mehrere Lichtquellen zu benutzen.

Eine alte Lightbox für die Betrachtung von Dias ist gut für einen Gegenlicht-Aufbau geeignet. Das Problem von Schatten des Stativs auf der Standfläche löst ein horizontaler Arm, der ans Stativ angeschraubt wird.

Noch besser geeignet, aber leider auch teuer ist ein Hintergrundtisch mit einer S-förmig gebogenen Plexiglasplatte, hinter der eine oder auch mehrere Leuchten platziert werden können. Das Objekt steht vor dem flachen Teil in der Mitte, und die Kurve nach oben bringt einen gleichmäßigen Hintergrund, während der abwärts gebogene Teil vorn eine niedrige oder horizontale Position der Kamera zulässt.

Das tropische Licht

Am Tage steht die Sonne hoch und sie geht extrem schnell auf und unter – Sie sind in den Tropen. Die besonders kurzen Zeiten attraktiven Lichtes nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang machen die Fotografie in den Tropen zu einer Herausforderung.

Die meiste Zeit im Jahr steht die Sonne in den Tropen direkt im Zenith. Das ergibt eine Verteilung von Licht und Schatten, die für Fotografen aus mittleren Breiten wie New York oder Berlin, wo der Höchststand der Sonne maximal 60° beträgt, völlig ungewohnt ist.

Es ist aber wirklich so, in den Tropen gibt es für einige Stunden täglich keine erkennbare Richtung des Sonnenlichtes, kein vorne, hinten oder seitlich der Sonne. Die Schatten liegen dann direkt unter den Objekten und werden nahezu vollständig von diesen verdeckt. Die meisten Landschaften bleiben wie in unserem Beispielbild vollständig frei von Schatten.

Man kann dieses erdrückende Oberlicht schnell als unattraktiv abtun, und aus Sicht konventioneller Fotografen aus mittleren Breiten ist es das wohl auch. Aber es kann die Stimmung der Hitze der Tropen überzeugend einfangen.

Das Licht im Gebirge

Die Berge haben besondere Auswirkungen auf die Fotografie: In der dünnen, klaren Luft ist das Licht heller und stärker und das Wetter kann sehr schnell umschlagen.

Die besonderen Bedingungen, die man nur im Hochgebirge findet, werden von der bloßen Höhe und dem Wechsel zwischen Berg und Tal erzeugt – auch was das Wetter angeht.

Das außerordentliche Licht zum Fotografieren stellt sich bei klarer Luft und Sonnenschein ein, wenn die Panoramen der Umgebung besonders scharf und detailreich werden.

Aber das ist nur eine von vielen Stimmungen des Lichtes, die man in den Bergen einfangen kann.

Die Luft in großer Höhe ist natürlich dünner und enthält weniger Partikel, an denen sich das Licht brechen kann und in die Schatten gestreut wird. Das erzeugt auch die besonders tiefen Schatten im Gebirge. Als Folge davon wird wiederum der Kontrast bei Aufnahmen im Gebirge besonders hoch und das Tageslicht im Schatten noch intensiver Blau als auf Meereshöhe. Die Farbtemperatur ist kaum abschätzbar und kann ohne Korrektur unerwartete Ergebnisse erzeugen, und der hohe UV-Anteil am Licht macht den Unterschied zwischen Ihren Fotos und dem, was Sie sehen, besonders groß.

Die Effekte des Seitenlichts

Seitenlicht ist eine sehr spezielle Variante des Sonnenlichtes. Es ist dann am sinnvollsten, wenn die Detailzeichnung und die Textur des Objektes betont werden sollen. Es kommt dann darauf an, wie die Schatten geworfen werden.

Die Schatten sind die Begleiterscheinungen des Seitenlichtes, die besonders auffallen, denn sie lassen die Reliefs von Objekten und Oberflächen sehr deutlich hervortreten. Das Beispielbild zeigt, dass Seitenlicht von der Kamera aus gesehen die längsten, aber auch die akzentuiertesten Schatten wirft.

Die Sonne steht zwar auch dann im 90-Grad-Winkel zur Linsenachse, wenn sie im Zenith steht, aber dann begrenzt der Boden die Größe des Schattens und hellt die Objekte auch durch Reflektion mehr auf.

Das Seitenlicht zieht auch die Konturen der Objekte nach, und diese gewinnen dadurch deutlich an Tiefe. Bei Aufnahmen im Freien bei klarem Himmel ist der Unterschied zwischen Licht und Schatten besonders hoch, wenn kein Objekt in der Nähe ist, das als Reflektor wirken und die Szene aufhellen kann.

Wolken und Licht

Wolken sind die offensichtlichste Erscheinung des Wetters und für Fotos im Freien auch die wichtigste, denn sie eine große Anzahl an Effekten, weil Sie das Licht verändern.

Foto: Dr. Martin Merz, Lüdinghausen

Foto: Dr. Martin Merz, Lüdinghausen

Der bedeckte Himmel eignet sich hervorragend für viele Motive, die differenzierte Konturen aufweisen. Das weiche Licht ohne Schatten in zarten Farben ist kennzeichnend für Landschaftsaufnahmen im diffusen Licht der geschlossenen Wolkendecke.

Starke Kontraste entstehen, wenn der Himmel sich gerade zuzieht. Wie auf dem Bild zu sehen, macht die Wolkendecke des heranziehenden Gewitters einen düsteren Eindruck, während der Pool gerade noch im Licht der Sonne liegt.

Das Tageslicht wird an den Wolken gestreut und macht dadurch die Szene weicher und lässt die Schatten zurücktreten. Die Wolken wirken im Vergleich mit Studiolicht wie ein Diffusor und ein Reflektor gleichzeitig.

Zu den besten Eigenschaften des diffusen Lichtes an bewölkten Tagen zählt das Fehlen von harten Schatten. Deshalb sind bedeckte Tage auch besonders gut für die Portrait-Fotografie geeignet.

Weißabgleich – die Farbe des Lichtes

Weiß hat eigentlich mehr mit Psychologie und weniger mit Physik zu tun. Die Farbe des natürlichen Lichtes kann sehr unterschiedlich sein. Das Licht, das auf ein Objekt fällt, ist im Schatten bei klarem Himmel leicht bläulich und in der blauen Stunde kurz nach dem Sonnenaufgang oder kurz vor dem Sonnenuntergang rötlich.

Reflektiertes Licht unter klarem Himmel ist blau

Reflektiertes Licht unter klarem Himmel ist blau

Andere Farbmodulationen kommen durch an farbigen Flächen reflektiertes Licht oder durch Kunstlicht mit eingeschränktem Spektrum dazu. All das berücksichtigen die in moderne Kameras eingebauten Programme zum Weißabgleich.

Auch bei einfachen digitalen Kameras findet man einige Voreinstellungen für unterschiedliche Lichtverhältnisse wie Sonne, Wolken, Schatten oder Blitzlicht,  in der Regel über das Menü am LCD-Bildschirm einstellbar.

Für einigermaßen „normale“ Lichtsituationen sind diese Voreinstellungen durchaus brauchbar. Darüber hinaus gibt es bei einigen Kameras flexiblere Alternativen, zum Beispiel den automatischen Weißabgleich oder die manuelle Korrektur in kleinen Schritten. Den exaktesten Weißabgleich erreicht man manuell unter Verwendung einer weißen Fläche (Weißkarte) unter den Lichtbedingungen des Motivs.