Beiträge gettagt mit Schärfentiefe

Einführung in die DSLR-Fotografie 19: Die Blende ist nicht allein verantwortlich für die Schäfentiefe

Vielfach entsteht der Eindruck, eine Beeinflussung der Schärfentiefe sei nur durch das Spiel zwischen Blende und Belichtungszeit möglich. Diese beiden Faktoren spielen zwar die wichtigste Rolle und ziehen eindeutige Ergebnisse nach sich, aber die Schärfentiefe lässt sich auch noch mit anderen fotografischen Mitteln beeinflussen. Eine ebenso wichtige Rolle spielt natürlich die Entfernung der Kamera zum Motiv und nicht zuletzt hängt die erreichbare Schärfentiefe auch vom verwendeten Objektiv und seiner Brennweite ab. Insbesondere die Wahl der Blende ist natürlich objektivabhängig, denn nicht jedes Objektiv bietet einen unendlichen Blendenbereich. Je nach Preisklasse sind die Blendenbereiche der Objektive mehr oder weniger begrenzt. Je hochwertiger ein Objektiv ist, umso größer ist der Blendenbereich insbesondere in Bezug auf die größte Blende mit der kleinsten Blendenöffnung. Das bedeutet, dass mit einem hochwertigen Objektiv Bilder mit einer wesentlich umfassenderen Schärfentiefe möglich sind. Weniger bedeutend ist der Qualitätsunterschied eines Objektivs sicherlich, wenn mit unscharfen Vorder- und Hintergründen gearbeitet wird.

Objektive mit langen Brennweiten sind bezüglich der Schärfentiefe in der Regel stärker begrenzt, als Objektive mit kurzen Brennweiten. Hobbyfotografen, die Wert auf Bilder mit einer starken Schärfentiefe legen, sollten daher Objektive mit großen Blendenbereichen und möglichst kurzer Brennweite einsetzen. Für diffuse Aufnahmen, die das Motiv vor einem unscharfen Hintergrund deutlich abgrenzen, eignen sich stattdessen lange Brennweiten sehr gut und die kleineren Blenden sind vollkommen ausreichend. Der Fotograf hat darüber hinaus immer noch die Möglichkeit, seine Entfernung zum Motiv zu verändern und auf diese Weise mehr Bildschärfe zu erreichen. Je geringer die Entfernung zum Motiv ist, umso unschärfer wird das Bild. Der Bildwinkel ändert sich durch eine größere Entfernung genauso, wie durch eine längere Brennweite des Objektivs. Das hat zur Folge, dass eine größere Entfernung mit einem Objektiv mit langer Brennweite diesen Effekt deutlich verstärkt und das Bild umso unschärfer wird. Mit einer kleineren Brennweite ist daher ein größerer Abstand zum Motiv erforderlich, um eine hohe Schärfentiefe zu erreichen.

Einführung in die Digitalfotografie 18: Und immer wieder Schärfentiefe

Die Schärfentiefe ist ein Thema, das Profifotografen aus dem FF beherrschen, Hobbyfotografen aber immer wieder beschäftigt. In der Geschichte der Fotografie wurde zunächst großer Wert auf vollständig scharf abgebildete Motive gelegt. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, denn zunächst entdeckte man, dass sich die Realität in Bildern ablichten lässt, und wollte dieses Ziel auch möglichst exakt erreichen. Da die ersten Kameras sowieso eher unscharfe Bilder erzeugten, war die absolute Bildschärfe erklärtes Ziel der Fotografen. Schärfentiefe war in dieser Zeit also nur darauf ausgelegt, das vollständige Bild scharf darzustellen. Als die Technik dann so weit entwickelt war, dass sich dieser Wunsch zumindest über eine bestimmte Entfernung erfüllen ließ, waren vollständig scharfe Aufnahmen besonders beliebt. Auf einen künstlerischen Wert der Bilder legten zu Beginn der fotografischen Entwicklung nur wenige Fotografen Wert. Die Ansicht, dass ein vollständig scharf dargestelltes Foto eher reizlos und leblos erscheint, hat sich erst etwa seit den 1970er Jahren durchgesetzt. Seitdem hat der Begriff Schärfentiefe noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Heute stellen Fotografen Bilder mit einer Bildtiefe dar, die gut strukturiert sind und eine möglichst dreidimensionale Wiedergabe der abgebildeten Situation leisten sollen. Die Bildtiefe widerspricht dabei in gewisser Weise der Schärfentiefe, weil unscharf dargestellte Vorder- und Hintergründe eine besondere Tiefe des Bildes erzeugen.

Foto: Ulrike Seifert

Die Schärfentiefe hat sich also vom Hauptzweck zu einem Gestaltungselement entwickelt. Die wichtigsten technischen Einrichtungen einer Kamera, mit der Bildschärfe und Schärfentiefe beeinflusst werden können, sind die Entfernungseinstellung, die Blende und die Belichtungszeit. Alle drei Faktoren stehen in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Der Blende kommt dabei die größte Bedeutung zu. Fotografen arbeiten bei der Aufnahme lebhafter, gut strukturierter Fotografien mit verschiedenen Schärfeebenen. Die optimale Schärfeebene ist sehr dünn und umfasst nur das eigentliche Motiv. Vor und hinter der optimalen Schärfeebene befinden sich die Bereiche der akzeptablen Schärfe. Diese drei Bereiche bilden zusammen die Schärfentiefe. Darüber hinausgehende Entfernungsbereiche werden zunehmend unscharf und stellen daher eine optische Trennung dar. Die Schärfentiefe trennt also in einer gut strukturierten Aufnahme das Motiv von seinem Hintergrund.

Umstellung Analog- Digitalfotografie – Schärfentiefe

Auch bezüglich der Schärfentiefe ergeben sich einige Unterschiede zwischen einer analogen und einer digitalen Spiegelreflexkamera. Wer bisher alle Tricks und Kniffe im Umgang mit analogen Spiegelreflexkameras kannte und wusste, wie er mit der Schärfentiefe in verschiedenen Aufnahmesituationen umgehen musste, wird nun einiges neu lernen müssen, denn mit dem kleineren Blickwinkel des Aufnahme-Sensors verändern sich auch alle bisherigen Abstimmungen in diesem Bereich. Analoge Hobbyfotografen, die in die Digitalfotografie einsteigen, erleben nun, dass die Schärfentiefebereiche plötzlich viel größer sind. Für viele Fotografen ist das ein Vorteil, vor allem, wenn sie scharfe Bilder bevorzugen, weil sie zum Beispiel die Makrofotografie oder die Architekturfotografie mögen. Wer aber Porträts mit unscharfen Hintergründen fotografieren möchte oder andere Aufnahmesituationen bevorzugt, bei denen nur das Motiv im Vordergrund scharf erscheint, muss sich nun umstellen. Die Unschärfe im Hintergrund lässt sich nun nur durch noch größere Blenden oder längere Brennweiten erzeugen. Da die Digitalfotografie aber mit dem unbezahlbaren Vorteil verbunden ist, dass man das Ergebnis seiner fotografischen Werke sofort auf dem Display und mit nur wenigen Handgriffen auch auf dem Monitor betrachten kann, erkennt ein geübter Hobbyfotograf schnell, was er an seinem gewohnten Aufnahmeverhalten ändern muss und kann direkt für die nächste Aufnahme Korrekturen vornehmen.

Die Schärfentiefe bei Nahaufnahmen

Je kürzer die Entfernung zwischen der Kamera und dem Objekt wird, umso geringer wird dummerweise auch die Schärfentiefe – das sieht man in jeder Nahaufnahme. Leider wollen aber manche Motive vollständig scharf abgebildet sein, so dass man die Schärfentiefe so groß wie möglich bekommen möchte.

Foto: Sarbiewski, aboutpixel.de

In anderen Fällen wiederum kann man die geringe Schärfentiefe zum Vorteil nutzen, um das gewünschte Objekt von störendem, stark strukturiertem Hintergrund dadurch zu trennen, dass dieser einfach seine Konturen in der Unschärfe verliert.

Um mit weniger Schärfentiefe auszukommen, kann man das Objekt von der Seite aufnehmen. Für die Beispielaufnahme reicht ein Schärfentiefebereich von ein paar Millimetern und die Libelle ist dabei klar vom Hintergrund getrennt. Die meisten Objekte sind von einer Seite her betrachtet kürzer als von den anderen Seiten aus. Wenn Sie die Entfernung vom Anfang bis zum Ende des Objekts so klein wie möglich halten, werden Sie die beste Chance für ein gutes Makro-Foto haben.

Immer wieder die Schärfentiefe Teil 2

Inwieweit neben dem Motiv, das sich genau in der eingestellten Entfernung befindet, auch andere Bereiche des Fotos scharf erscheinen, das hängt von verschiedenen Faktoren ab, und zwar der Brennweite des Objektivs, der Entfernung des Motivs, dem Punkt der Scharfeinstellung und der Blendenzahl. Nur wenn alle Faktoren genau aufeinander abgestimmt sind, wird der gesamte Bildbereich scharf dargestellt. Die Schärfentiefe kann erhöht werden, wenn das vorhandene Objektiv durch eines mit einer anderen Brennweite ausgetauscht wird. Längere Brennweiten verringern die Schärfentiefe, kürzere erhöhen sie. Je kürzer die Entfernung zum Motiv ist, umso geringer wird die Schärfentiefe. Demzufolge erhöht sich der Schärfentiefebereich, wenn der Fotograf sich in einer größeren Entfernung zum Objekt befindet. Da auch der Punkt der Scharfeinstellung eine wichtige Rolle für den Bereich der Schärfentiefe spielt und dieser Bereich sich um ein Drittel nach vorne und zwei Drittel rückwärts erstreckt, wird ein größerer, scharf dargestellter Bildbereich erreicht, wenn nicht genau die Mitte scharf eingestellt wird, sondern ein Punkt, der etwa ein Drittel oberhalb des unteren Bildrandes liegt. Verwendet man gleichzeitig eine kleine Blendenöffnung, also einen großen Blendenwert, so wird der gesamte Schärfentiefebereich ausgenutzt.

Immer wieder die Schärfentiefe Teil 1

Die Schärfentiefe ist ein Thema, das Fotografen schon immer beschäftigt hat und wohl auch immer beschäftigen wird, egal ob in der analogen Fotografie oder in der Digitalfotografie. Es geht darum, ein Foto optimal zu belichten und die richtige Blende dazu zu wählen, so dass alle Bereiche auf dem Foto absolut scharf und klar dargestellt wird.  Grundsätzlich stellt man am Objektiv die Entfernung zum Motiv ein und erhält bei richtiger Einstellung im Sucher ein klares Bild mit scharfen Umrissen. Die Kamera wählt dazu automatisch die passende Blende und die Belichtungszeit, um exakt das Motiv in der eingestellten Entfernung scharf darzustellen. Der Hintergrund wird unschärfer und Dinge, die sich weiter im Vordergrund befinden, ebenfalls. Wählt man nun einen höheren Blendenwert, so dass die Lamellen sich weiter verschließen, so wird der gesamte Bereich der Ablichtung scharf dargestellt.

Das funktioniert wunderbar, wenn ein ruhendes Objekt  von einem ruhenden Fotografen aufgenommen wird. Soll aber eine Bewegung eingefroren werden, dann ist eine kürzere Verschlusszeit erforderlich. Nun wird die Kamera automatisch eine größere Blendenöffnung wählen, um genügend Licht auf den Bildsensor zu bringen. Das geht aber wiederum zu Lasten der Schärfentiefe, denn nun kann die Kamera aufgrund der weiten Blendenöffnung wieder nur genau das angepeilte Objekt scharf darstellen. Der Fotograf hat nicht viele Möglichkeiten, um in einem solchen Fall alle seine Wünsche zu erfüllen. Stellt man die Kamera auf Halbautomatik ein, so gibt es die Chance, die Blende ein wenig zu verändern. Aber es gibt auch ein paar Profitricks.

Probleme bei Makroaufnahmen

Wenn Sie schon versucht haben, sich mit Ihrer Kamera der Naheinstellungsgrenze zu nähern, kennen Sie vielleicht auch schon einige der Probleme, die bei Nahaufnahmen aufkommen können.

Abschattung des Motivs

Abschattung des Motivs

Da ist zunächst einmal der Wind zu nennen, der Bewegungsunschärfe hervorrufen kann. Bei starken Makros kann es auch passieren, dass der Wind das Objekt aus dem Bereich der Schärfentiefe heraus weht. Dagegen kann man nicht sehr viel tun. Manche Fotografen versuchen, die pflanzlichen Motive mit Bändern, Stangen und Ösen zu fixieren, aber meist bringt das nur eine Dämpfung der Bewegung. Klammern, die die Pflanze dauerhaft schädigen, sind aber verpönt. Allerdings ist der Wind im Allgemeinen morgens nicht so stark wie abends.

Wenn Streulicht durch das Okular fällt, verkürzt die Kamera die Belichtungszeit und das Foto wird unterbelichtet. Hier hilft eine Okularkappe oder das Abdecken mit der Hand. Durch den geringen Abstand zum Motiv kann es auch schnell passieren, dass man selbst einen Schatten auf die Szene wirft. Das sollte man durch andere Positionierung des Körpers vermeiden.

Kreativer Umgang mit geringer Schärfentiefe

Statt gegen die geringe Schärfentiefe bei Nahaufnahmen anzugehen, kann man sie auch als gegeben hinnehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Und das ist nicht etwa ein durchgängig scharfes Bild. Im kleinen Bereich wird immer irgendein Detail nicht ganz scharf sein, das Zusammenwirken von unscharfen und gestochen scharfen Bildteilen ist bei Nahaufnahmen ganz typisch.

Weniger Schärfentiefe - Hintergrund nicht mehr erkennbar

Weniger Schärfentiefe - Hintergrund nicht mehr erkennbar

Eine Herangehensweise, die zu sehr interessanten Bildern führt, ist das Nutzen der Attraktivität der Unschärfe an sich. Die wichtigsten Bildelemente können durch die Unschärfe von ihrer Verbindung gelöst und frei eingesetzt werden. Dabei bilden die unscharfen Bereiche, im Beispielbild das Grün hinter den Blüten, einen unscharfen Hintergrund für das scharf abgebildete eigentliche Motiv, der den Betrachter nicht davon ablenkt.

Auch verschiedene Farben im Hintergrund erhalten durch die weiche Unschärfe etwas Fließendes, das sie fast wie gesprayt aussehen lässt. Wenn man nach der richtigen Perspektive im Makrobereich sucht, kann man die Kamera bewegen und andere Positionen einnehmen. Das jeweilige Ergebnis lässt sich auf dem Display verfolgen, während man mit der Blende die Schärfentiefe verändert.

Mehr Schärfentiefe bei Nahaufnahmen

Je mehr sich die Kamera dem Objekt nähert, umso geringer wird die Schärfentiefe – das ist charakteristisch für jede Nahaufnahme. Bei manchen Motiven, zum Beispiel kleinen Insekten, braucht man eine möglichst große Schärfentiefe, damit das Tierchen komplett scharf abgebildet werden kann. Bei anderen Motiven vor stark strukturierten Hintergründen wie einzelnen Blumen in einer Wiese kann man die geringe Schärfentiefe gut zur Trennung des Motivs vom Hintergrund verwenden.

Mehr Schärfentiefe - Hintergrund noch erkennbar

Mehr Schärfentiefe - Hintergrund noch erkennbar

Es gibt mehrere Möglichkeiten, bei Nahaufnahmen die Schärfentiefe zu erhöhen. Als erstes kommt die Verwendung der kleinstmöglichen Blende, das bringt ein insgesamt schärferes Bild, aber wegen der dadurch benötigten längeren Belichtungszeit kann es leicht einmal zu Unschärfe durch Bewegungen der Kamera oder des fotografierten Objektes (Blätter im Wind) kommen.

Man kann aber auch seinen Standpunkt wechseln. Das ist hilfreich, wenn das Objekt aus der neuen Richtung gesehen kürzer ist als aus der alten. Dann braucht man für eine komplett scharfe Abbildung weniger Schärfentiefe.

Weitergehende Möglichkeiten wie die Verwendung eines Balgengerätes mit Kippfunktion sind eher den Profis vorbehalten.