Beiträge gettagt mit Nahaufnahme

Bildausschnitte

Wenn man nur einen Ausschnitt fotografiert, zum Beispiel nur einen Teil des Gesichtes oder des Körpers, kann man interessante Ergebnisse erzielen.

“In der Fotografie kann schon der kleinste Gegenstand ein großartiges Sujet sein”, sagte der große Fotograf Henri Cartier-Besson, und auch “Die kleinsten menschlichen Details können Leitmotive werden.” Eine seiner Methoden, diese Prinzipien umzusetzen, war die Fotografie von besonderen Details in Nahaufnahme.

Solche Fotos sind erstmal eine willkommene Abwechslung, denn sie zeigen die Realität aus einem unüblichen Aspekt. Und sie enthalten eine besondere Aussage, denn sie lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters auf solche Details, die man auf einem Ganzkörperfoto leicht übersieht.

In der Porträtfotografie bedeutet Detail oder Ausschnitt die Konzentration auf einen Teil des Körpers. Diese Fotos haben auch immer etwas Intimes an sich, denn sie erzeugen eine größere Nähe zwischen Modell und Betrachter, als unter Fremden üblich ist.

Für Detailfotos sollten Sie ein mittleres Tele mit möglichst kurzer Minimalentfernung oder ein entsprechendes Zoomobjektiv benutzen.

Die Schärfentiefe bei Nahaufnahmen

Je kürzer die Entfernung zwischen der Kamera und dem Objekt wird, umso geringer wird dummerweise auch die Schärfentiefe – das sieht man in jeder Nahaufnahme. Leider wollen aber manche Motive vollständig scharf abgebildet sein, so dass man die Schärfentiefe so groß wie möglich bekommen möchte.

Foto: Sarbiewski, aboutpixel.de

In anderen Fällen wiederum kann man die geringe Schärfentiefe zum Vorteil nutzen, um das gewünschte Objekt von störendem, stark strukturiertem Hintergrund dadurch zu trennen, dass dieser einfach seine Konturen in der Unschärfe verliert.

Um mit weniger Schärfentiefe auszukommen, kann man das Objekt von der Seite aufnehmen. Für die Beispielaufnahme reicht ein Schärfentiefebereich von ein paar Millimetern und die Libelle ist dabei klar vom Hintergrund getrennt. Die meisten Objekte sind von einer Seite her betrachtet kürzer als von den anderen Seiten aus. Wenn Sie die Entfernung vom Anfang bis zum Ende des Objekts so klein wie möglich halten, werden Sie die beste Chance für ein gutes Makro-Foto haben.

Was ist bei Makroaufnahmen zu beachten?

Foto: Martin Heigan
Lizenz: CreativeCommons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic

Digitalkameras sind für detailgetreue Nahaufnahmen gut geeignet. Sie sollten jedoch folgende Hinweise beachten:
Verwenden Sie für die Bildkomposition das Kameradisplay statt des Suchers. Wegen der sehr kurzen Entfernung zum Motiv ist es möglich, dass der Sucher das Bild nicht korrekt darstellen kann. Bei der Aufnahme wird das Motiv dann oben abgeschnitten. Spiegelreflexkameras haben dieses Problem natürlich nicht. Aufnahmen aus ungewöhnlichen Positionen (z.B. kurz über dem Boden) fallen leichter, wenn der Monitor Ihrer Kamera neig- und schwenkbar ist.
Setzen Sie die Kamera nach Möglichkeit auf ein Stativ. Wenn Sie sie in der Hand halten müssen, sollten Sie sich zumindest an einem Gegenstand abstützen. Hier kann auch die Verwendung des Selbstauslösers oder einer Fernbedienung zur Betätigung des Verschlusses hilfreich sein. Wählen Sie die kleinstmögliche Blende, um eine hohe Schärfentiefe zu erzielen. Oftmals ist das Motiv aufgrund des geringen Kameraabstands schlecht ausgeleuchtet. Verwenden Sie jedoch nicht den eingebauten Blitz, sondern versuchen Sie, mit dem Umgebungslicht zu arbeiten. Muss dass Objekt doch beleuchtet werden, sind Sie mit einem externen Blitzgerät gut gerüstet.

Kreativer Umgang mit geringer Schärfentiefe

Statt gegen die geringe Schärfentiefe bei Nahaufnahmen anzugehen, kann man sie auch als gegeben hinnehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Und das ist nicht etwa ein durchgängig scharfes Bild. Im kleinen Bereich wird immer irgendein Detail nicht ganz scharf sein, das Zusammenwirken von unscharfen und gestochen scharfen Bildteilen ist bei Nahaufnahmen ganz typisch.

Weniger Schärfentiefe - Hintergrund nicht mehr erkennbar

Weniger Schärfentiefe - Hintergrund nicht mehr erkennbar

Eine Herangehensweise, die zu sehr interessanten Bildern führt, ist das Nutzen der Attraktivität der Unschärfe an sich. Die wichtigsten Bildelemente können durch die Unschärfe von ihrer Verbindung gelöst und frei eingesetzt werden. Dabei bilden die unscharfen Bereiche, im Beispielbild das Grün hinter den Blüten, einen unscharfen Hintergrund für das scharf abgebildete eigentliche Motiv, der den Betrachter nicht davon ablenkt.

Auch verschiedene Farben im Hintergrund erhalten durch die weiche Unschärfe etwas Fließendes, das sie fast wie gesprayt aussehen lässt. Wenn man nach der richtigen Perspektive im Makrobereich sucht, kann man die Kamera bewegen und andere Positionen einnehmen. Das jeweilige Ergebnis lässt sich auf dem Display verfolgen, während man mit der Blende die Schärfentiefe verändert.

Mehr Schärfentiefe bei Nahaufnahmen

Je mehr sich die Kamera dem Objekt nähert, umso geringer wird die Schärfentiefe – das ist charakteristisch für jede Nahaufnahme. Bei manchen Motiven, zum Beispiel kleinen Insekten, braucht man eine möglichst große Schärfentiefe, damit das Tierchen komplett scharf abgebildet werden kann. Bei anderen Motiven vor stark strukturierten Hintergründen wie einzelnen Blumen in einer Wiese kann man die geringe Schärfentiefe gut zur Trennung des Motivs vom Hintergrund verwenden.

Mehr Schärfentiefe - Hintergrund noch erkennbar

Mehr Schärfentiefe - Hintergrund noch erkennbar

Es gibt mehrere Möglichkeiten, bei Nahaufnahmen die Schärfentiefe zu erhöhen. Als erstes kommt die Verwendung der kleinstmöglichen Blende, das bringt ein insgesamt schärferes Bild, aber wegen der dadurch benötigten längeren Belichtungszeit kann es leicht einmal zu Unschärfe durch Bewegungen der Kamera oder des fotografierten Objektes (Blätter im Wind) kommen.

Man kann aber auch seinen Standpunkt wechseln. Das ist hilfreich, wenn das Objekt aus der neuen Richtung gesehen kürzer ist als aus der alten. Dann braucht man für eine komplett scharfe Abbildung weniger Schärfentiefe.

Weitergehende Möglichkeiten wie die Verwendung eines Balgengerätes mit Kippfunktion sind eher den Profis vorbehalten.

Die Welt der Nahaufnahmen

Nahaufnahmen sind wirklich wie das Eintauchen in eine andere Welt. Und das gilt sowohl für die Linsen der Kamera als auch für das Auge des Fotografen. Gute Nahaufnahmen kommen nicht einfach nur durch näheres Herangehen ans Motiv zustande, sondern sie erfordern einen anderen Umgang mit der Technik und andere gestalterische Ansätze.

Eine typische Nahaufnahme nutzt die Schärfentiefe zur Gestaltung

Eine typische Nahaufnahme nutzt die geringe Schärfentiefe zur Gestaltung

Die meisten Objektive sind ja für den „normalen“ Abstand optimiert und deshalb für den Nahbereich nicht besonders geeignet.

Es gibt aber immer mehr Menschen, die mit der Kamera in die fantastische Welt des Kleinen eintauchen, und die Hersteller von Digitalkameras reagieren schon auf die ansteigende Popularität dieses Sektors der Fotografie. Und selbst auf einfacheren Digicam-Modellen finden Sie in aller Regel schon eine Makroeinstellung.

Gelungene Nahaufnahmen erfordern einige Grundkenntnisse. Die ersten Schritte sind aber mit Digitalkameras weitaus leichter zu gehen, als zur Zeit des Fotofilms. Denn Sie können die Bilder sofort begutachten und gegebenenfalls mit anderen Werten neu fotografieren. Das ist wohl auch der Schlüssel für den Boom, den die Makrofotografie gerade bei Nicht-Profis zur Zeit erfährt.

Deshalb wollen wir diesen interessanten Bereich der Fotografie sporadisch mit weiterführenden Artikeln noch vertiefen.