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Optische Grundlagen für den Nahbereich und die Makrofotografie

Objektive, die für normale Aufnahmen von etwas entfernten Objekten gebaut wurden, arbeiten im Nah- und Makrobereich entscheidend anders.

Der einfachste Weg, eine Abbildung zu vergrößern, ist die Linse nach vorn, also vom Sensor weg zu bewegen. So arbeiten auch die meisten Objektive. Zum Scharfstellen eines Objektes zwischen einem Meter und unendlichem Abstand müssen die optischen Elemente nur einen kleinen Weg zurücklegen. Bei immer näheren Objekten werden die Objektstrahlen immer kürzer in Relation zu den Bildstrahlen, beim Maßstab 1:1 sind beide gleich lang. Deshalb müssen die Linsen innerhalb des Objektivs mechanisch verschoben werden. Das verschlechtert die Schärfe der Abbildung und man sieht Abbildungsfehler deutlicher.

Obwohl moderne Objektive diesbezüglich schon fast Wunder wirken, klappt das bei ganz kurzen Entfernungen noch nicht gut genug. Digitalkameras mit einer Fixoptik habe oft eine Makrofunktion, mit der man ein nahes Objekt wenigstens scharf abbilden kann. Die Qualität dieser Abbildung hängt allerdings sehr stark vom Design der Fixoptik ab. Nur das Zauberwort Makro lässt also nicht darauf schließen, dass eine Kamera den Anforderungen der Makrofotografie gerecht wird.

Die Stufen der Vergrößerung

Die Unterteilung von Fotografien kleiner Objekte abhängig von ihrem Maßstab in zwei Bereiche hat sich als besonders nützlich gezeigt, denn jeder dieser Bereiche stellt andere Ansprüche an die Technik und das Objektiv.

Natürlich haben wir alle eine Vorstellung von “nah”, allerdings eher diffus, unpräzise und meist nur relativ. Man kann den Grad der Nähe mit dem Vergrößerungsfaktor oder mit dem Abbildungsmaßstab präzise angeben. Für ein Bild, auf dem ein Objekt halb so groß abgebildet ist, wie es in der Realität ist, hat einen Vergrößerungsfaktor von 0,5 x und einen Abbildungsmaßstab von 1:2.

Es gibt keine genaue untere Grenze für den Nahbereich, er wird meist ab einer Vergrößerung von 0,1 x bis 0,15 x (Abbildungsmaßstab 1:10 bis 1:7) definiert. Alles darunter ist normale Fotografie. Der Nahbereich erstreckt sich zwischen 0,1 x und 1,0 x (Abbildungsmaßstab 1:10 bis 1:1), also bis hin zur natürlichen Größe bzw. Lebensgröße.

Der Makrobereich geht von 1 x bis 20 x (Maßstab 1:1 bis 20:1). Für höhere Vergrößerungen braucht man dann schon ein Mikroskop. Spätestens ab Lebensgröße 1:1 wird eine kleine Belichtungskorrektur zum Ausgleich des Abstandes zwischen Sensor und Linse nötig. Moderne Digitalkameras machen das heutzutage automatisch und man kann das Bild auch am Display überprüfen. Die Makrofotografie erzeugt häufig Fotos, die sich wegen der beeindruckenden Darstellungsgröße kleiner Objekte besonders gut für große Wandbilder oder Poster eigenen.

Probleme bei Makroaufnahmen

Wenn Sie schon versucht haben, sich mit Ihrer Kamera der Naheinstellungsgrenze zu nähern, kennen Sie vielleicht auch schon einige der Probleme, die bei Nahaufnahmen aufkommen können.

Abschattung des Motivs

Abschattung des Motivs

Da ist zunächst einmal der Wind zu nennen, der Bewegungsunschärfe hervorrufen kann. Bei starken Makros kann es auch passieren, dass der Wind das Objekt aus dem Bereich der Schärfentiefe heraus weht. Dagegen kann man nicht sehr viel tun. Manche Fotografen versuchen, die pflanzlichen Motive mit Bändern, Stangen und Ösen zu fixieren, aber meist bringt das nur eine Dämpfung der Bewegung. Klammern, die die Pflanze dauerhaft schädigen, sind aber verpönt. Allerdings ist der Wind im Allgemeinen morgens nicht so stark wie abends.

Wenn Streulicht durch das Okular fällt, verkürzt die Kamera die Belichtungszeit und das Foto wird unterbelichtet. Hier hilft eine Okularkappe oder das Abdecken mit der Hand. Durch den geringen Abstand zum Motiv kann es auch schnell passieren, dass man selbst einen Schatten auf die Szene wirft. Das sollte man durch andere Positionierung des Körpers vermeiden.

Makros aus der aufblühenden Natur

Nachdem sich die Schneeglöckchen und Krokusse im März noch ziemlich allein in einer weitgehend unbegrünten Umgebung ans Licht drängen, ist im April schon sehr viel mehr frisches Grün in der Natur zu sehen und die Blüten setzen bunte Akzente.

Den gelben Sträuchern blühenden Forsythiers folgt dann der Flieder, einfach und stark duftend oder in der fotogenen Sorte doppelt, die zwar nicht diesen überwältigenden Geruch, dafür aber klar das überzeugendere Aussehen hat.

In dieser Zeit ist Hochkonjunktur für Makroaufnahmen der wieder erwachenden Natur.

Denken Sie daran, dass der Schwerpunkt des Bildes auf zwei Drittellinien liegen sollte und verwandeln Sie den Hintergrund durch entsprechende Einstellung der Schärfentiefe in eine Samtunterlage, auf der Ihr Motiv optimal zur Geltung kommt.

Um eine geringe Schärfentiefe für solche Bilder zu erreichen, muss die Blendenöffnung groß sein. Eine Blende zwischen 2,8 und 8 ist dafür je nach Helligkeit eine gute Wahl. Da die Belichtungszeit dabei recht kurz ist, um die große Blendenöffnung zu kompensieren, ist ein Stativ nicht unbedingt nötig, denn die Gefahr des Verwackelns ist gering.

Fotos kleiner Objekte

Eine gewisse Vorstellung von „nah“ haben wir wohl alle, aber wo „nah“ endet und wo „Makro“ beginnt, ist nirgends genau festgelegt. Im Grunde ist es der Abbildungsmaßstab des fotografierten Objektes, der den Grad der Nähe festlegt.

Übergang zum Makrofoto

Übergang zum Makrofoto

Der Nahbereich lässt sich in drei Teilbereiche einteilen. Da ist zunächst der beginnende Nahbereich ab einem Abbildungsmaßstab von 1:10, was einem Vergrößerungsfaktor von 0,1 entspricht. In diesem Bereich macht jede normale Linse ohne spezielle Hilfsmittel noch scharfe Fotos.

Im Übergangsbereich zum Makrofoto, der bei einem Abbildungsmaßstab von 1:2 (Abbild ist halb so groß wie das reale Objekt) bzw. einem Vergrößerungsfaktor von 0,5 beginnt können Sie mit den meisten Makroobjektiven noch ohne Zusatzlinsen oder Zwischenringe arbeiten.

Richtige Makroaufnahmen beginnen bei Lebensgröße, also einem Abbildungsmaßstab von 1:1 bzw. einem Vergrößerungsfaktor von 1,0. Bei einer Kamera mit fester Optik brauchen Sie für ein Abbild in natürlicher Größe normalerweise eine Nahlinse. Bei einer Spiegelreflex-Kamera kann man einen Distanzring verwenden. Der nächste Artikel zu Nahaufnahmen wird sich genauer mit den optischen Grundlagen der Makrofotografie beschäftigen.