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Den Hintergrund austauschen

Beim Herauslösen von Menschen aus einem digitalen Foto, dem sogenannten Freistellen, muss man sehr präzise arbeiten, ganz besonders bei den Haaren. Die einzelnen Grafikprogramme bieten verschiedene Verfahren zur Freistellung an, und alle haben sie ihre Vor- und Nachteile. Diese Techniken lassen sich auch teilweise kombinieren, was zu besseren Resultaten führt. Durch dies Verfahren hat man die volle Kontrolle über den Hintergrund des Bildes und kann ihn teilweise oder vollständig austauschen.

Foto: Rainer Sturm, aboutpixel.de

Das ist ein sehr tiefgehender Eingriff, der so manchen Fotografen alter Schule erschüttert, aber in der Werbefotografie täglich passiert. Auf diese Weise kann man ja auch viel Geld sparen, denn man kann immer im gleichen Studio fotografieren und danach den gewünschten Hintergrund digital einfügen.

Die Aufbereitung des Hintergrundes ist meist keine so schwierige Aufgabe. Allerdings erzielt man bei diesem Verfahren wirklich gute Ergebnisse erst nach der Investition von viel Zeit. Ohne ausreichend Erfahrung damit wird das Ergebnis schnell unglaubwürdig.

Räumliche Fotos mit Rot

Rot ist nicht nur eine der stärksten und auffälligsten Farben, die die Aufmerksamkeit eines Menschen sofort auf sich zieht – es hat auch eine andere sehr interessante Eigenschaft: zwischen kälteren Farben, insbesondere vor Blau oder Grün, scheint Rot in Richtung des Betrachters abzuheben.

Foto: Helge, aboutpixel.de

Es sieht aus, als läge Rot vor den anderen Farben. Bei einer passenden Kombination von Objekt und Farbintensität ruft Rot einen deutlich wahrnehmbaren 3D-Effekt hervor.

Das Beispielfoto zeigt den Effekt in einer subtileren, aber deutlich wahrnehmbaren Ausprägung. Die Johannisbeeren scheinen wirklich vom grünen Hintergrund abgehoben.

Zusammen mit den anderen starken Besonderheiten der Farbe Rot kann der 3D-Effekt in manchen Fällen sogar unerwünscht stark werden, besonders wenn der Hintergrund mehr in Richtung Blau geht. Wenn der dreidimensionale Effekt die Aussage des Fotos schon regelrecht überlagert,  muss man das Setting etwas “entschärfen”, um den Betrachter des Bildes nicht zu verwirren und nicht von der gewünschten Bildaussage abzulenken.

Schmuck fotografieren

Ringe, Broschen und Colliers werden hergestellt, damit ihre Träger Blicke auf sich ziehen. Wie sie auf einem Foto wirken, entscheiden vor allem die Beleuchtung und die Präsentation.

Foto: mpdrei master, aboutpixel.de

Es gibt eine unüberschaubare Vielfalt von Schmuckstücken, alte und moderne, verspielte und sachliche, und alle haben eins gemeinsam: die Geltungssucht ihres Trägers.

Ein Schmuckstück, das niemandem auffällt, hat seinen Zweck verfehlt. Schmuck ist zwar stark von der Mode abhängig, aber er trifft immer eine Aussage und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Träger.

Vor allem aber will ein Schmuckstück herausragen, und das beeinflusst stark die Art, wie es fotografiert wird. Das fertige Bild sollte genauso beeindruckend sein wie das Schmuckstück selbst.

Schmuck wird in der Regel aus wertvollen und teuren Materialien angefertigt und ist ein traditioneller Verwendungszweck für edles Metall und Juwelen. Ihre Farbe, das Funkeln und das Leuchten werden durch die Verarbeitung noch unterstrichen.

Im Foto übernimmt das neben der Beleuchtung vor allem der Hintergrund. Für Diamanten eignet sich am besten schwarzer Samt, darauf funkeln sie am meisten. Auch ungewöhnliche und gegensätzliche Hintergründe haben hier ihre Chance, zum Beispiel rauer Stein oder ein großes Blatt. Der beste Hintergrund ist natürlich der, für den der Schmuck geschaffen wurde: Haut.

Digitale Hintergründe

Man kann mit der heutigen Digitaltechnologie Objekte aus einem Foto herauslösen (freistellen) und sie vor einen völlig anderen Hintergrund setzen. Diese Technik wird für viele Zwecke genutzt, so dass das Ersetzen eines Hintergrundes durch einen völlig anderen inzwischen zu einer der Schlüsseltechniken der digitalen Fotobearbeitung geworden.

Einer der Gründe dafür ist, dass Hintergründe mit einer gewünschten Farbe, Verläufen und Texturen digital wesentlich einfacher herzustellen sind, als sie aus natürlichen oder künstlichen Materialien zusammengestellt werden können.

Ein einfaches, aber überzeugendes Beispiel ist ein Verlauf, den Sie mit Ihrem Bildbearbeitungsprogramm erzeugen können. Damit können Sie den Übergang von einem hellen Vordergrund zu einem dunklen Hintergrund leicht imitieren, und das ist der Standard der Lichtverteilung im typischen Setting der Stillleben-Fotografie. Ein Verlauf von fast Weiß nach fast Schwarz erfüllt denselben Zweck.

Wenn der Verlauf erstellt ist kann das freigestellte Objekt darauf gelegt werden. Dem Objekt hinzugefügte Schatten lassen das Gesamtbild natürlicher wirken. Der wichtigste Aspekt bei digitalen Hintergründen: Die fotografische Glaubwürdigkeit sollte erhalten bleiben, wenn es sich nicht um ein bewusst offensichtliches Werbebild handelt wie das Beispielbild.

Hintergründe als Kulissen

Bei der Fotografie von Stillleben oder Produktfotos gehören Hintergründe zu den wichtigen Requisiten und sind für den Gesamteindruck vom gleichen Gewicht wie das zu fotografierende Objekt selbst.

Wenn das Motiv nur ein einzelnes oder eine kleine Anzahl von Objekten ist, nimmt der Hintergrund häufig den größeren Teil der Fläche des Fotos ein. Man kann nach glatten und strukturierten Flächen und nach echten Kulissen unterscheiden.

Glatte Flächen sollen so unscheinbar wie möglich sein und nur ihre Farbe zum Motiv beisteuern. Alle Arten strukturierter Hintergründe, verlaufend oder kontrastierend, Texturen, Farben und Formen unterstreichen manche Eigenschaft des Motivs und bringen sie deutlicher zum Vorschein, wobei sie integraler Bestandteil des Bildes werden. Kulissen geben dem Bild einen inhaltlichen Bezug. Sie lassen zum Beispiel ein Stillleben merklich natürlicher wirken als eine Studioaufnahme. Es gibt viele Räume, die gut als Kulisse dienen können, wobei ihr Stil und die Gegenstände darin zum eigentlichen Motiv gut passen müssen. Im Beispielsbild ist die Kulisse ein zweites Foto – Kulisse und Objekt wurden in Photoshop vermählt.

Weiß ohne Schatten

Wenn überhaupt kein Hintergrund vorhanden sein soll, ist ein neutrales Weiß angesagt. Das kommt häufig vor, zum Beispiel in Situationen, in denen nur das Objekt sichtbar sein soll und Hinweise auf seine Umgebung unerwünscht sind.

Foto: spurensicherung, aboutpixel.de

Ein flacher, weißer Hintergrund ist ein erster Schritt, wird aber den Anforderungen nicht ohne weiteres gerecht. Egal wie weiß und reflektierend die Oberfläche des Kartons oder der Folie aussieht, es gibt fast immer irgendwo einen Schatten, besonders unter dem Objekt, wenn es beleuchtet wird.

Echt schattenloses Weiß kann man nur mit Gegenlicht erzeugen. Das ist eine Basistechnik der Fotografie von Stillleben. Im Prinzip macht man das ungefähr so: Man nimmt einen transparenten oder durchscheinenden Hintergrund stellt dahinter in Richtung der Kamera und des Objektes eine Leuchte auf.

Wichtig ist das Material des Hintergrundes, es muss glatt und ohne Defekte wie Beulen oder Knicke sein und auch dick genug, um das Licht deutlich zu streuen. Gut geeignet ist 3 mm starkes milchig weißes Plexiglas.

Hervorhebung durch Freistellen des Motivs

Die Technik der Freistellung lässt das Hauptmotiv vor einem gleichmäßigen Hintergrund ohne nennenswerte Details erscheinen. Dadurch wird es stark betont und ganz besonders hervorgehoben. Normalerweise erreicht man das dadurch, dass man mit einer möglichst großen Blendenöffnung (kleine Blendenzahl) und der dadurch bedingten geringen Schärfentiefe das eigentliche Motiv scharf einstellt. Dabei wird der Hintergrund dann ohne weitere  Maßnahmen unscharf und ohne Details abgebildet.

Wenn die Umstände jedoch ganz besonders günstig sind, kann man so ein Foto einfach durch den richtigen Blickwinkel der Kamera zum Objekt erzeugen, wie bei dem Beispiel mit der Sonnenblume auf diesem Foto.

An einem schönen Sommertag mit strahlend blauem Himmel ohne jedes Wölkchen musste der Fotograf bei dieser Aufnahme nur aufpassen, dass keine störenden und ablenkenden “bodennahen” Details mit auf das Bild kommen. Die Freistellung eines Motivs gegen den Himmel betont dessen Konturen noch deutlicher, als wenn der Hintergrund aus Objekten besteht, die einfach nur unscharf sind. Deshalb wirken solche Bilder auch besonders gut als großformatige Poster.

Personen in Szene setzen

Für Fotos von Personen braucht man eine Umgebung, in der die fotografierte Person nicht „untergeht“. Das muss aber nicht unbedingt ein weißer Hintergrund sein. Drei Fragen können helfen, ein besseres Bild zu machen:

  • Zieht ein Hintergrundelement zu viel Aufmerksamkeit auf sich?
  • Gibt es spiegelnde oder glänzende Oberflächen, in denen man den Fotografen oder die Ausrüstung sehen kann?
  • Wird eine Zusatzbeleuchtung gebraucht?

Im unserem Bildbeispiel dient als Hintergrund für das Portrait eine Hecke, die von der tiefstehenden Sonne von der rechten Seite angestrahlt wird. Durch die Lichter und Schatten in der Hecke bekommt sie eine eigne Dynamik, die aber durch ihre leichte Unschärfe nicht mit dem eigentlichen Motiv konkurriert. Die tiefstehende Sonne macht die schwach getönte Sonnenbrille des Porträtierten plausibel. Da die Person nicht in die Kamera schaut und der Mund leicht geöffnet ist, hat man den Eindruck, sie sei im Gespräch mit einer weiteren Person außerhalb des Bildes. Die Aufnahme wirkt nicht „gestellt“.

Kreativer Umgang mit geringer Schärfentiefe

Statt gegen die geringe Schärfentiefe bei Nahaufnahmen anzugehen, kann man sie auch als gegeben hinnehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Und das ist nicht etwa ein durchgängig scharfes Bild. Im kleinen Bereich wird immer irgendein Detail nicht ganz scharf sein, das Zusammenwirken von unscharfen und gestochen scharfen Bildteilen ist bei Nahaufnahmen ganz typisch.

Weniger Schärfentiefe - Hintergrund nicht mehr erkennbar

Weniger Schärfentiefe - Hintergrund nicht mehr erkennbar

Eine Herangehensweise, die zu sehr interessanten Bildern führt, ist das Nutzen der Attraktivität der Unschärfe an sich. Die wichtigsten Bildelemente können durch die Unschärfe von ihrer Verbindung gelöst und frei eingesetzt werden. Dabei bilden die unscharfen Bereiche, im Beispielbild das Grün hinter den Blüten, einen unscharfen Hintergrund für das scharf abgebildete eigentliche Motiv, der den Betrachter nicht davon ablenkt.

Auch verschiedene Farben im Hintergrund erhalten durch die weiche Unschärfe etwas Fließendes, das sie fast wie gesprayt aussehen lässt. Wenn man nach der richtigen Perspektive im Makrobereich sucht, kann man die Kamera bewegen und andere Positionen einnehmen. Das jeweilige Ergebnis lässt sich auf dem Display verfolgen, während man mit der Blende die Schärfentiefe verändert.