Beiträge gettagt mit Farbe

In Twilight Time…

Wenn die Sonnegerade untergegangen ist oder kurz vor dem Aufgehen steht, ist die Zeit des Zwielichtes gekommen. Dann steht die Sonne zwar schon oder noch hinter dem Horizont, aber der Himmel wird durch Lichtbrechung noch oder schon erleuchtet. Er durchläuft dabei interessante Veränderungen, die eine zärtliche, nahezu magische Atmosphäre erzeugen.

Foto: Rainer Sturm, aboutpixel.de

Die Dauer und das Spiel der Farben in dieser Phase sind abhängig von Jahreszeit und Breitengrad. Im Sommer kann das Zwielicht in unseren Breiten schon mehrere Stunden andauern, noch weiter im Norden sogar die ganze Nacht. In den Tropen ist der Zauber allerdings schon nach einer knappen Stunde vorbei.

Wenn der Himmel weitgehend klar ist, verändern sich die Schattierungen der Farben am Horizont in auffälliger Weise. Wie auch bei Sonnenauf- und untergängen kann man diese Änderungen kaum vorhersagen, obwohl sie sehr intensive Himmelsfarben hervorbringen. Bei klarem Himmel entwickelt sich die Farbe des morgendlichen Zwielichts von Orange über Gelb bis zum abschließenden tiefen Blau.

Landschaften digital abgelichtet

Schon seit Jahrhunderten wird die Ansicht einer Landschaft nicht nur als Hintergrund für irgendein Sujet, sondern als eigenständiges Genre der Kunst betrachtet. In der Malerei war das eine langsame Entwicklung, die erst im 19. Jahrhundert abgeschlossen war. Das Landschaftsbild als eigenständiges Genre hat sich auch mit dem Übergang vom Pinsel zum Fotoapparat nicht mehr geändert.

Foto: Jürgen Treiber, aboutpixel.de

In den Anfängen der Fotografie reichte es den Fotografen, rund um den Globus einfach nur ungewöhnliche Orte abzulichten. Heute liegt der eigentliche Reiz der Landschaftsfotografie darin, die Schönheit von Formen und Farben der Natur im Bild festzuhalten.

Durch die Nachbearbeitung der digitalen Bilder eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten im Umgang mit den Farben, die man so gezielt verändern lassen. Mit weichen, ungesättigten Tönen oder mit starken Farben voller Kontrast lassen sich bestimmte Eindrücke und sogar Stilrichtungen erzeugen.  Diese kreative Nachbearbeitung macht wiederum die neue Verwandtschaft zur alten Landschaftsmalerei deutlich, zumindest, was die künstlerische Freiheit angeht.

Landschaftsfotos machen sich auch in Wohnungen oder Geschäftsräumen gut. Sie gehören zu den besten Kandidaten für Großformate vom gedruckten Poster bis hin zur Fototapete.

Subjektives Farbempfinden

Wenn man sehr viel Gewicht auf Farbtreue zum Original legt, kann das persönliche Farbempfinden schnell mal in Vergessenheit geraten.

Heute hat das Farbmanagement einen Stand erreicht, der so manchen Fotografen fast besessen daran arbeiten lässt, denn die Technik ist recht neu und fordert Beachtung. Die benutzten Geräte inklusive der Kamera müssen korrekt aufeinander abgestimmt werden – ohne Farbmanagement geht das nicht.

Um den Farben allerdings kreativ gerecht zu werden, brauchen Sie so etwas wie eine eigene Meinung. Messbar genaue Farbwerte sind nur der erste Schritt, danach ist Ihre ganz persönliche Farbgestaltung gefragt.

Besonders deutlich zeigt sich der Wert der Subjektivität bei der Auswahl der Sättigung. Dort ist der kreative Spielraum merklich größer als bei der Helligkeit, die ja eher mit Belichtungswerten zusammenhängt oder dem Farbton, der als Essenz der Farbe gilt.

Wenn Sie eine ganze Sättigungsreihe erstellen und auf sich wirken lassen, werden Sie schnell feststellen, dass das Optimum nicht in einem Punkt liegt, sondern dass ein ganzer Bereich “korrekt” aussieht.

Farbe mit Augenmaß

Ein bezüglich der Farben theoretisch und auch messtechnisch optimales Foto wird nicht jedem Menschen gleich perfekt vorkommen. Und es sind ja Menschen, die die Fotos letztendlich betrachten und keine Spektrografen.

Foto: Marlies Dülsen, aboutpixel.de

Das optimale Bild muss die Farben nicht nur technisch korrekt wiedergeben, es muss auch “nach Augenmaß” passen, sonst bleibt unter Umständen die persönliche Interpretation auf der Strecke. Wir Menschen meinen zu wissen, wann die Farben in einem Foto “richtig” sind, also so, wie sie sein sollen. Und normalerweise macht sich auch niemand Gedanken dazu, es sei denn, eine Farbe erscheint ausgesprochen “falsch” zu sein. Wenn sich zum Beispiel die Sonne grün im Wasser spiegelt, sieht man sofort, dass da etwas nicht stimmen kann.

Die Erkenntnis kommt in diesem Falle schlicht und ergreifend aus unserer Lebenserfahrung – wir haben schon zu häufig die Farbe der im Wasser gespiegelten Sonne gesehen, um die grüne Spiegelung durchgehen zu lassen. Allerdings ist die Lebenserfahrung weder besonders wissenschaftlich noch ist sie eine gute Grundlage, um Millionen von Farben unter dem Aspekt der “Richtigkeit” beurteilen zu können. Im Zweifelsfall hilft eher ein gutes Kameraprofil zumindestens statistisch weiter, denn damit kommen Sie der Realität am nächsten.

Digitale Hintergründe

Man kann mit der heutigen Digitaltechnologie Objekte aus einem Foto herauslösen (freistellen) und sie vor einen völlig anderen Hintergrund setzen. Diese Technik wird für viele Zwecke genutzt, so dass das Ersetzen eines Hintergrundes durch einen völlig anderen inzwischen zu einer der Schlüsseltechniken der digitalen Fotobearbeitung geworden.

Einer der Gründe dafür ist, dass Hintergründe mit einer gewünschten Farbe, Verläufen und Texturen digital wesentlich einfacher herzustellen sind, als sie aus natürlichen oder künstlichen Materialien zusammengestellt werden können.

Ein einfaches, aber überzeugendes Beispiel ist ein Verlauf, den Sie mit Ihrem Bildbearbeitungsprogramm erzeugen können. Damit können Sie den Übergang von einem hellen Vordergrund zu einem dunklen Hintergrund leicht imitieren, und das ist der Standard der Lichtverteilung im typischen Setting der Stillleben-Fotografie. Ein Verlauf von fast Weiß nach fast Schwarz erfüllt denselben Zweck.

Wenn der Verlauf erstellt ist kann das freigestellte Objekt darauf gelegt werden. Dem Objekt hinzugefügte Schatten lassen das Gesamtbild natürlicher wirken. Der wichtigste Aspekt bei digitalen Hintergründen: Die fotografische Glaubwürdigkeit sollte erhalten bleiben, wenn es sich nicht um ein bewusst offensichtliches Werbebild handelt wie das Beispielbild.

Spezielle Farbakzente

Ein kleiner Bereich, der mit einer hellen Farbe, der sich von einem kontrastierenden Hintergrung abhebt, hat eine Sonderstellung bei den Farbbeziehungen und ist von großer Relevanz für die Fotografie.

Farbkontrast

Foto: Dr. Martin Merz, Lüdinghausen

Wenn zwischen den Farben ein deutliches Missverhältnis besteht, besonders, wenn eine davon nur in einem kleinen Bereich vorkommt, bekommt sie eine Dynamik wie der Ball beim Tennis, auf den alle Beobachter der Szene fixiert sind.

Auch in unserem Beispiel sticht eine Farbe aus einem  ansonsten sehr neutralen Bild heraus. Das Foto ist manipuliert, wie es in der Kunst, aber häufig auch in der Werbung zur Überzeichnung einer Betonung benutzt wird. Die Farbe wird zu einem überdeutlichen Akzent und das Auge wird davon wire magisch angezogen. Weil der Effekt bei einem eher zurücktretenden Hintergrund deutlicher hervorsticht, nimmt man gerne Gelb auf Blau oder Grün. Auf neutralem Hintergrund wirkt der Effekt am stärksten.

Diese besondere Form des Farbkontrastes verhält sich wie die „lokale Farbe“, wie es die Maler bezeichnen. Das ist die Farbe, die ein Objekt hätte, wenn es von Licht einer vollständig neutralen Quelle ohne jeden Farbstich angestrahlt würde.

Daher betonen solche Farbakzente weniger die Form, sondern eher die Farbigkeit eines Objekts.

Optische Effekte mit Farben

Manchmal zeigen Farben unerwartete Effekte, die in der Psychologie der Wahrnehmung begründet sind. Wir kennen einige Phänomene bei der Farbwahrnehmung, die auch einen gewissen Einfluss darauf haben, wie sich Farben in einem Foto zeigen.

Der Sukzessivkontrast

Der Sukzessivkontrast

Die bekanntesten und auch wichtigsten Effekte dieser Art sind der Sukzessivkontrast und der Simultankontrast.

Durch den Sukzessivkontrast, der auch Nachbild genannt wird, zeigt das Auge nach dem längeren Betrachten eines starken Farbreizes die Komplementärfarbe dazu. Wenn Sie mindestns 30 Sekunden auf das Kreuz mitten im roten Punkt schauen und dann auf das Kreuz im weißen Quadrat, sehen Sie dort den Kreis in Blaugrün.

Auge und Gehirn wirken bei diesem Nachbild zusammen. Der Effekt wird mit helleren Farben und mit längerer Betrachtung des Farbreizes immer stärker. Die Farbe des Nachbildes ist immer die, die im Farbkreis der auslösenden Farbe gegenüber liegt, also die Komplementärfarbe.

Der Simultankontrast ist dem Sukzessivkontrast verwandt. Hier nimmt eine Farbe, wenn sie von einer anderen kräftigen, reinen Farbe umgeben ist, einen zu dieser Farbe komplementären Farbstich an. Man sieht das am besten, wenn die umschlossene Farbe neutral ist, zum Beispiel Grau.

Die Farbe Violett

Violett ist eine schwer zu (er)fassende Farbe. Das gilt sowohl für unsere Fähigkeit, Violett zu erkennen als auch für die Möglichkeit, sie auf einem Foto festzuhalten.

Den meisten Menschen fällt es schwer, ein reines Violett zu erkennen – genauso wie die meisten Drucker es nicht korrekt wiedergeben können. Und das hat nur zum Teil damit zu tun, dass fast alle aktuellen Farbdrucker eine Variante von Violett, die amerikanische Farbe Magenta als Grund- bzw. Tintenfarbe benutzen. Fotografieren Sie doch einmal einige Blüten in verschiedenen Tönungen von Violett und schauen auf die fertigen Prints…

Lavendelfeld in St. Maries de la Mer

Lavendelfeld in St. Maries de la Mer

Auch Violett ist eine Farbe zweiter Ordnung, die aus den beiden Grundfarben Blau und Rot gemischt wird. Und sie ist auch die dunkelste von allen Farben. Ein Aufhellen bringt sie in Richtung Lavendel, wenn es dunkler wird, tendiert Violett zu Schwarzblau.

Die fehlende Erkennbarkeit und Greifbarkeit von Violett hat es wohl zur Farbe der Kirchen und der Esoterik gemacht. Es spielt aber auch hinein, dass Violett in der Natur kaum vorkommt und so auch die Assoziation von „überirdisch“ stützt. Auf Fotos findet man Violett häufiger als Reflex von blauen Schatten eines klaren Sonnentages auf rötlichen Objekten. Wer einmal richtig in Violett schwelgen möchte, dem seien die Lavendelfelder der Provence in Südfrankreich ans Herz gelegt.

Die Farbe Orange

Mit strahlender Kraft vereint Orange die Eigenschaften der beiden Farben Rot und Gelb, aus denen sie als Farbe zweiter Ordnung gemischt werden kann.Vom Gelb kommt die Strahlung und das Licht, vom Rot die Kraft. Reines Orange hat eine optisch strahlende Charakteristik, wenn es aufgehellt oder abgedunkelt vorkommt, gibt es ein Gefühl von Wärme. Orange ist ja auch die Farbe des Feuers und des frühen und späten Sonnenlichtes.

Die Orange als Namensgeber

Die Orange als Namensgeber

In der physischen Welt finden wir Orange hauptsächlich bei Blüten und im Licht von Kerzen und Glühbirnen. Und natürlich beim Namensgeber dieser Farbe, der Orange. Farbfilter wie der 85 B (stumpfes Orange) wurden früher gerne benutzt, um einen blauen Farbstich zu kompensieren – heute, im Zeitalter der Digitalfotografie,  macht man das eher mit Photoshop (Bild / Korrekturen / Fotofilter).

Auch im metaphysischen ist die Farbe zu Hause, das allerdings hauptsächlich in Asien. So gilt Orange in der Shinto-Religion in Japan als heilige Farbe und die Mönchskleider in vielen asiatischen Religionen sind ebenfalls Orange.