Foto-Know-How

Einführung in die DSLR-Fotografie 19: Die Blende ist nicht allein verantwortlich für die Schäfentiefe

Vielfach entsteht der Eindruck, eine Beeinflussung der Schärfentiefe sei nur durch das Spiel zwischen Blende und Belichtungszeit möglich. Diese beiden Faktoren spielen zwar die wichtigste Rolle und ziehen eindeutige Ergebnisse nach sich, aber die Schärfentiefe lässt sich auch noch mit anderen fotografischen Mitteln beeinflussen. Eine ebenso wichtige Rolle spielt natürlich die Entfernung der Kamera zum Motiv und nicht zuletzt hängt die erreichbare Schärfentiefe auch vom verwendeten Objektiv und seiner Brennweite ab. Insbesondere die Wahl der Blende ist natürlich objektivabhängig, denn nicht jedes Objektiv bietet einen unendlichen Blendenbereich. Je nach Preisklasse sind die Blendenbereiche der Objektive mehr oder weniger begrenzt. Je hochwertiger ein Objektiv ist, umso größer ist der Blendenbereich insbesondere in Bezug auf die größte Blende mit der kleinsten Blendenöffnung. Das bedeutet, dass mit einem hochwertigen Objektiv Bilder mit einer wesentlich umfassenderen Schärfentiefe möglich sind. Weniger bedeutend ist der Qualitätsunterschied eines Objektivs sicherlich, wenn mit unscharfen Vorder- und Hintergründen gearbeitet wird.

Objektive mit langen Brennweiten sind bezüglich der Schärfentiefe in der Regel stärker begrenzt, als Objektive mit kurzen Brennweiten. Hobbyfotografen, die Wert auf Bilder mit einer starken Schärfentiefe legen, sollten daher Objektive mit großen Blendenbereichen und möglichst kurzer Brennweite einsetzen. Für diffuse Aufnahmen, die das Motiv vor einem unscharfen Hintergrund deutlich abgrenzen, eignen sich stattdessen lange Brennweiten sehr gut und die kleineren Blenden sind vollkommen ausreichend. Der Fotograf hat darüber hinaus immer noch die Möglichkeit, seine Entfernung zum Motiv zu verändern und auf diese Weise mehr Bildschärfe zu erreichen. Je geringer die Entfernung zum Motiv ist, umso unschärfer wird das Bild. Der Bildwinkel ändert sich durch eine größere Entfernung genauso, wie durch eine längere Brennweite des Objektivs. Das hat zur Folge, dass eine größere Entfernung mit einem Objektiv mit langer Brennweite diesen Effekt deutlich verstärkt und das Bild umso unschärfer wird. Mit einer kleineren Brennweite ist daher ein größerer Abstand zum Motiv erforderlich, um eine hohe Schärfentiefe zu erreichen.

Traumfigur dank Photoshop

Bild: Adobe

Die digitale Fotografie ist ein wahrer Segen, denn sie bringt Möglichkeiten mit sich, von denen Fotografen wohl schon so lange geträumt haben, wie es die Fotografie gibt. Mindestens genauso wichtig, ist die Möglichkeit, mit einer umfassenden Bildbearbeitungssoftware alles aus einem Bild herauszuholen, was es herzugeben bereit ist. Und noch mehr, denn die großen Programme wie Photoshop optimieren nicht nur die Bildqualität, sondern auch das Motiv. Insbesondere dann, wenn Menschen das Motiv bilden oder Tiere, ist es interessant, das Motiv so zu verändern, dass es ein wahrer Augenschmaus wird. Insofern hat Photoshop ernstzunehmende kosmetische Fähigkeiten.

Nur wenige Menschen haben das Glück eines perfekten Äußeren, so wie die international bekannten Models. Wer dennoch zumindest auf Fotos den perfekten Eindruck hinterlassen möchte, bekommt dank Photoshop die Gelegenheit. Das bezieht sich insbesondere auf Portraitaufnahmen, die für Bewerbungsfotos oder das große Portrait für den Schreibtisch des Liebsten wichtig sind, aber auch auf Ganzkörperaufnahmen. Photoschop reinigt nicht nur den Teint und verbirgt so manchen kleinen Schönheitsfehler, sondern es sorgt auch für eine bessere Figur. Zumindst für die Illusion auf dem Foto ist Photoshop also ein wahrer Schlankmacher. Daher ist auch Vorsicht geboten, wenn Diät-Seiten Vorher-Nachher-Bilder zeigen, denn der Figur-Unterschied kann auch allein mit Hilfe von Photoshop erzeugt worden sein. Na ja und letztendlich sind wohl auch die Models nicht immer so uneingeschränkt schön, wie sie auf den Fotos erscheinen, denn selbst bei ihnen wird doch noch immer ein bisschen nachretuschiert. Augenringe, Falten oder Pickel sind für Photoshop eine Kleinigkeit.

Die Werkzeuge zur Optimierung von Motiven sind der Verflüssigen-Filter und natürlich auch Farbanpassungen. Aber der Verflüssigen-Filter ist ein vielseitiges Tool, das neben der Veränderung der Figur auch die Gesichtszüge verfeinern und verbessern kann. Große Nasen werden kleiner, kleine Augen größer und schmale Lippen voller. Der Verflüssigen-Filter besteht aus mehreren Einzelwerkzeugen wie dem Strudel oder dem Krümmer. Es werden einfach einzelne Partien ein wenig verschoben und mit ein bisschen Übung mag sich manches Hobby-Model nicht mehr wiedererkennen.

Einführung in die Digitalfotografie 19: Was ist Blendenpriorität?

Hobbyfotografen, die noch in den Anfängen ihres schönen Hobbys stecken und sich dem Hobby wirklich intensiv widmen möchten, müssen eine Menge lernen. Jedes intensiv betriebene Hobby erfordert einiges an Wissen und das ist bei der Fotografie nicht anders. Sicherlich kann jedes Kind heutzutage mit einer vollautomatischen Kompaktkamera Fotos schießen. Aber wirklich gute Fotos mit einem künstlerischen Hintergrund erfordern schon ein gewisses Handwerkszeug. Neben einer guten Kamera und einer gewissen Grundausstattung an Zubehör befindet sich das meiste Handwerkszeug in Form von Wissen im Gedächtnis des Fotografen. Zu Beginn mag gerade das Spiel zwischen Blende und Belichtungszeit immer wieder für Verwirrung sorgen. Deshalb sind moderne Digital-Spiegelreflexkameras ebenso, wie die vielen Kompaktkameras mit verschiedenen Aufnahmeprogrammen ausgestattet. Eines der wichtigsten Programme ist die Blendenpriorität. Sie kann abhängig vom Kamera-Modell mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. An jeder Spiegelreflexkamera aber verbirgt sich die Blendenpriorität hinter dem Programmnamen A, übrigens auch schon bei den früheren Modellen der analogen Spiegelreflexkameras.

Der Buchstabe A deutet auf den englischsprachigen Begriff Aperture Priority hin, was wiederum nichts anderes bedeutet, als Blendenpriorität. Der Fotograf steuert in diesem Programm die Schärfentiefe mit Hilfe der Blendenöffnung. Er wählt an der Kamera die Blende manuell aus und die Kamera stellt die dazu passende Belichtungszeit ein. Das Programm wird daher auch als Zeitautomatik bezeichnet und ist nicht zu verwechseln mit der Blendenautomatik. Die Auswahl der gewünschten Blende hängt davon ab, wie scharf oder unscharf Vorder- und Hintergrund des Motivs sein sollen. Es gehört zum Grundwissen eines Hobbyfotografen, dass mit einer großen Blendenzahl eine kleine Blendenöffnung einhergeht. Je kleiner die Blendenöffnung ist, umso schärfer wird das gesamte Bild. Wer also auf seinem Foto nicht nur ein scharfes Hauptmotiv haben, sondern auch den Vorder- und Hintergrund scharf darstellen möchte, wählt eine möglichst große Blendenzahl für eine möglichst kleine Blendenöffnung. Je offener die Blende ist, umso kleiner ist die Blendenzahl und entsprechend unschärfer wird das Bild. Gleichzeitig wird die Kamera  für eine kleine Blendenöffnung für ein scharfes Bild eine lange Belichtungszeit wählen. Daher ist es empfehlenswert, derartige Fotos mit Hilfe eines Stativs aufzunehmen.

Einige Kameramodelle sind zusätzlich mit einer Kreativ-Automatik ausgestattet, in der ganz einfach eingestellt werden kann, ob der Hintergrund scharf oder unscharf, die Belichtung dunkler oder heller sein soll. Die Kreativ-Automatik ist insbesondere für Einsteiger in die Spiegelreflex-Fotografie sehr hilfreich.

Einführung in die Digitalfotografie 18: Und immer wieder Schärfentiefe

Die Schärfentiefe ist ein Thema, das Profifotografen aus dem FF beherrschen, Hobbyfotografen aber immer wieder beschäftigt. In der Geschichte der Fotografie wurde zunächst großer Wert auf vollständig scharf abgebildete Motive gelegt. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, denn zunächst entdeckte man, dass sich die Realität in Bildern ablichten lässt, und wollte dieses Ziel auch möglichst exakt erreichen. Da die ersten Kameras sowieso eher unscharfe Bilder erzeugten, war die absolute Bildschärfe erklärtes Ziel der Fotografen. Schärfentiefe war in dieser Zeit also nur darauf ausgelegt, das vollständige Bild scharf darzustellen. Als die Technik dann so weit entwickelt war, dass sich dieser Wunsch zumindest über eine bestimmte Entfernung erfüllen ließ, waren vollständig scharfe Aufnahmen besonders beliebt. Auf einen künstlerischen Wert der Bilder legten zu Beginn der fotografischen Entwicklung nur wenige Fotografen Wert. Die Ansicht, dass ein vollständig scharf dargestelltes Foto eher reizlos und leblos erscheint, hat sich erst etwa seit den 1970er Jahren durchgesetzt. Seitdem hat der Begriff Schärfentiefe noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Heute stellen Fotografen Bilder mit einer Bildtiefe dar, die gut strukturiert sind und eine möglichst dreidimensionale Wiedergabe der abgebildeten Situation leisten sollen. Die Bildtiefe widerspricht dabei in gewisser Weise der Schärfentiefe, weil unscharf dargestellte Vorder- und Hintergründe eine besondere Tiefe des Bildes erzeugen.

Foto: Ulrike Seifert

Die Schärfentiefe hat sich also vom Hauptzweck zu einem Gestaltungselement entwickelt. Die wichtigsten technischen Einrichtungen einer Kamera, mit der Bildschärfe und Schärfentiefe beeinflusst werden können, sind die Entfernungseinstellung, die Blende und die Belichtungszeit. Alle drei Faktoren stehen in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Der Blende kommt dabei die größte Bedeutung zu. Fotografen arbeiten bei der Aufnahme lebhafter, gut strukturierter Fotografien mit verschiedenen Schärfeebenen. Die optimale Schärfeebene ist sehr dünn und umfasst nur das eigentliche Motiv. Vor und hinter der optimalen Schärfeebene befinden sich die Bereiche der akzeptablen Schärfe. Diese drei Bereiche bilden zusammen die Schärfentiefe. Darüber hinausgehende Entfernungsbereiche werden zunehmend unscharf und stellen daher eine optische Trennung dar. Die Schärfentiefe trennt also in einer gut strukturierten Aufnahme das Motiv von seinem Hintergrund.

Einführung in die Digitalfotografie 17: Manuelles Fokussieren

Digitale Spiegelreflexkameras sorgen natürlich dafür, dass Fotografen nicht mehr von Hand fokussieren müssen. Dadurch sind die Verwacklungsgefahr und das Risiko, die falsche Entfernung einzustellen, nicht mehr gegeben. Auf Knopfdruck stellt das Objektiv die optimale Entfernung zu dem Motiv ein, das anvisiert wird. Das Motiv muss nicht zwangsläufig in der Mitte des Bildes sein, denn verschiedene Fokusbereiche erlauben auch die Fokussierung auf Randmotive. Trotzdem kann die Technik durch gewisse Situationen überfordert sein. Sie wählt dann die Einstellung, die der optimalen am nächsten kommt, aber das ist nicht immer im Sinne des Fotografen. In solchen Fällen bleibt nichts anderes, als die Rückbesinnung auf das manuelle Fokussieren.

Es erscheint auf den ersten Blick recht einfach, die richtige Entfernung mit Hilfe des Einstellrings am Objektiv auszuwählen. Aber dieser Eindruck kann täuschen, denn Situationen, die bereits die Kameratechnik verwirren, sind nicht einfach und erfordern daher auch gewisse Fertigkeiten des Fotografen. Um mit einem Autofokus-Objektiv manuell zu fokussieren, muss dieses umstellbar sein. Fast alle Objektive verfügen über diese Einrichtung. Meist handelt es sich um einen kleinen Schalter am oberen Objektivrand.

Eine wichtige Grundlage für das manuelle Fokussieren ist die richtige Einschätzung der Entfernung zum Motiv, denn hochwertige Objektive sind mit einer Entfernungsskala versehen. Eine Einstellhilfe, wie sie in Objektiven der analogen Spiegelreflexkameras vorhanden war, ist bei digitalen Autofokus-Objektiven nicht mehr üblich. Manchmal hilft ein kleiner Trick, wenn sich ein Objekt in etwa gleicher Entfernung befindet, wie das Motiv. In einem solchen Fall kann behelfsmäßig auf das deutliche Objekt scharfgestellt werden. Schwenkt man die Kamera mit halb gedrücktem Auslöser dann auf das ursprüngliche Motiv zurück, bleibt die Messung erhalten.

Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Darstellung des Motivs durch das Objektiv, denn im Sucher wird immer das Bild mit weit geöffneter Blende und der damit verbundenen Unschärfe gezeigt. Da erst nach dem Druck auf den Auslöser die Blende eingestellt wird, kann das Motiv später klarer und deutlicher dargestellt sein. Um diese Situation zu bewältigen, ist einige Erfahrung erforderlich. Vielen Fotografen bleibt daher nur die Wahl, das Ergebnis der Aufnahme direkt auf dem Display zu kontrollieren und dann gegebenenfalls mit neuen Einstellungen weitere Fotos aufzunehmen.

Einführung in die Digitalfotografie 16: Die Entwicklung des Fokussierens

Durch moderne Techniken erhält der Begriff Fokus bisweilen eine etwas komplizierte Bedeutung. Genau genommen beschreibt er aber nichts anderes, als die optimale Brennweite zwischen Kamera und Motiv oder noch einfacher dargestellt, die Entfernungseinstellung einer Kamera. Das Fokussieren ist also das Einstellen der optimalen Entfernung zum Motiv, damit es auf dem Foto später scharf dargestellt ist. Eine technische Möglichkeit zur Scharfstellung kannten die Cameras Obscura aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht. Diese großen Holzkästen, hinter deren Vorhang sich der Fotograf verbarg, mussten entweder in die richtige Entfernung zum Motiv gebracht werden oder das Motiv bewegte sich zur Kamera. Erst mit der Entwicklung von Balgenkameras wurde es möglich, durch Bewegung des Balgs die Entfernung zwischen Kamera und Motiv zu optimieren.

Die Entwicklung der Fotokameras erfolgte sehr schnell, denn schon um 1940 gab es erste Kameras mit lichtstarken Objektiven. Seit dieser Zeit bis in die 1970er Jahre war das Fokussieren nur von Hand durch Drehung des Brennweiten-Rings am Objektiv möglich. Die ersten Autofokus-Spiegelreflexkameras wurden 1985 auf den Markt gebracht. Noch immer beschränkte sich das Fokussieren auf die Mitte des Motivbereichs und es war eine Herausforderung an den Fotografen, diese eingeschränkte Technik zu überlisten. Seither und insbesondere durch die Entwicklung der Digitalfotografie hat die Technik des Fokussierens eine rasante Entwicklung genommen.

Die modernen Techniken des Fokussierens an DSLR-Kameras erlauben das Fokussieren auf verschiedene Bildbereiche. Zwischen drei und neun Autofokusfelder bieten moderne Kameras, einige auch noch mehr. Trotzdem ist der Fotograf der Technik seiner Kamera nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Er hat zwar die Wahl zwischen den Autofokus-Feldern, die ihm seine Kamera bietet, kann sich mit Messfeldsteuerung und dynamischem Autofokus unterstützen lassen, aber es besteht nach wie vor die Möglichkeit der Einzelfeldmessung. In vielen Situationen ist es sinnvoll, der komfortablen Technik für einen Moment den Rücken zu kehren und zur klassischen Scharfstellung zu greifen. Das ist oft der Fall, wenn die Technik aufgrund schlechter Lichtverhältnisse die Konturen des Motivs nicht mehr erkennen kann, wenn reflektierende Flächen den Autofokus in die Irre führen oder das Motiv so klein ist, dass es für das menschliche Auge zwar erkennbar ist, nicht aber für die Messtechnik der Kamera. Fotografen, die mit einem Autofokus durch einen Maschendrahtzaun fotografieren wollen, erleben immer wieder, dass der Autofokus sich nicht vom Zaungeflecht lösen möchte. Viele Situationen führen dazu, einfach wieder mit der Hand an den Entfernungsring der Kamera zu greifen. Hochwertige Objektive an modernen DSLR-Kameras sind zu diesem Zweck mit einem Schalter ausgestattet, der den Autofokus einfach ausschaltet.

Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge einmal ganz anders

Jeder Fotograf versucht sich irgendwann einmal an einem Sonnenuntergang oder einem Sonnenaufgang. Bevorzugt werden diese Aufnahmen am Meer erstellt, weil die Sonne dort am Horizent ein besonderes Farbschauspiel erzeugt. So wichtig, wie ein gelungener Sonnenuntergang für einen Hobbyfotografen ist, so uninteressant wird er oft, wenn er einige Male gut gelungen ist. Dabei bietet die Sonne ihr außergewöhnliches Farb- und Licht-Schauspiel nicht nur am Meer, sondern bei sehr vielen Gelegenheiten und in den unterschiedlichsten Landschaften. Oft erhält ein Motiv durch die intensive Sonne im Hintergrund erst eine außergewöhnliche Wirkung. Wenn die Strahlen der tief stehenden Sonne durch die Äste eines Baumes dringen oder die Sonne gerade hinter einem Hügel verschwindet, dann umrahmt der Sonnenuntergang oft ein anderes, spannendes Motiv.

Die Schwierigkeit an der Aufnahme eines Sonnenuntergangs besteht darin, dass das eigentlich Motiv selbst das Gegenlicht darstellt. Das führt dazu, dass das in der Natur so reizvoll erscheinende Farbspektrum oft nicht realistisch auf dem Foto erscheint. Motive im Vordergrund können durch das Gegenlicht nur noch als Schatten auftreten und Konturen mit dem dunklen Himmel verschwimmen.  Deshalb kommt bei der Aufnahme von Sonnenauf- und Untergängen der Belichtung eine besondere Bedeutung zu. Für die notwendige Bildschärfe darf die Blende nicht zu weit geöffnet sein. Dadurch muss aber die Belichtungszeit lang genug sein, um Licht in ausreichender Menge einzufangen, damit das Motiv gut erkennbar bleibt. Ein Stativ ist daher sinnvoll bei der Aufnahme von Sonnenuntergangs-Szenerien.  Es ist nicht der Sinn einer Sonnenuntergangs-Szene, taghell zu erscheinen. Vielmehr soll die Stimmung des Zwielichts erhalten bleiben. Deshalb darf die Belichtungszeit auch nicht zu lang gewählt werden. Eine lange Belichtungszeit würde zusätzlich zwangsläufig starkes Bildrauschen erzeugen. Ein Patentrezept für die richtige Blenden-Belichtungskombination gibt es nicht, da jeder Sonnenuntergang sein eigenes Licht hat. Daher hilft es nur, Bildreihen mit unterschiedlichen Bellichtungszeiten und Blendenschritten aufzunehmen, um am Ende das eine optimale Foto zu erhalten.

Bild: view.stern

Gewisse Gegenlichteffekte können aber auch erwünscht sein und machen dann gerade den besonderen Reiz des Motivs aus. Oft entsteht auch gerade durch das schemenhaft oder als Schatten im Vordergrund dargestellte Motiv eine besondere Bildstimmung.

Einführung in die Digitalfotografie 15: Autofokus und Messfeldsteuerung

Jede moderne Spiegelreflexkamera ist mit Autofokus-Objektiven ausgestattet, egal, ob es sich um eine analoge oder eine digitale Kamera handelt. Selbst Kompaktkameras verfügen weitgehend über Autofokusobjektive und bieten damit zahlreiche Möglichkeiten. Daher ist kaum noch ein Fotograf darauf angewiesen, seine Kamera von Hand scharfzustellen. Ein leichter Druck auf den Auslöser reicht aus und schon erledigt das Autofokus-Objektiv die Einstellung der richtigen Entfernung von ganz allein. Dabei stellt sich aber die Frage, woher das Objektiv denn weiß, in welchem Bereich des Bildes sich das anvisierte Motiv befindet. Die ersten Autofokus-Kameras wussten das tatsächlich nicht und stellten immer automatisch auf die Bildmitte scharf. Ein Hauptmotiv am Rand des Bildes zu platzieren, war daher nur mit einem abschaltbaren Autofokus und unter Anwendung fotografischer Tricks möglich. Dabei mussten zahlreiche Punkte beachtet werden, zum Beispiel die durch die Blende vorgegebene Schärfentiefe und die Belichtungszeit. Musste diese aufgrund der Umstände zu lang gewählt werden, dann drohte noch die Gefahr des Verwackelns.


Moderne Autofokus-Technik gestaltet es dem Fotografen wesentlich leichter, gute und außergewöhnliche Aufnahmen zu erzielen, denn all diese Probleme löst sie automatisch durch ein interaktives Zusammenspiel der Kamerafunktionen. Kritische Bedingungen gibt es mit modernen DSLR-Kameras fast gar nicht mehr. Kritisch ist manchmal eher die Menge an technischen Möglichkeiten. Ein moderner Autofokus ist nicht mehr allein auf die Bildmitte fixiert, sondern teilt den Bildbereich in mehrere Messfelder auf. Das können bei einfacheren DSLR-Kameras drei nebeneinander befindliche Felder sein, fünf oder sieben über den Bildbereich verteilte Felder und bei technisch ausgefeilteren Modellen auch neun. Der Fotograf entscheidet durch Anwahl der jeweiligen Messpunkte, in welchem Bereich sich das scharf dargestellte Hauptmotiv befinden soll. Bei der Scharfstellung beachtet der Autofokus nicht mehr nur die Entfernung zum Hauptmotiv, sondern stellt auch die Blende und die Belichtungszeit passend dazu ein. Soll gleichzeitig mit einem unscharfen Vorder- oder Hintergrund gearbeitet werden, so besteht immer noch die Möglichkeit, manuell einzugreifen. Damit der Autofokus nicht durch mögliche andere Objekte im Bildfeld fehlgeleitet wird, besteht die Möglichkeit einer Voreinstellung im entsprechenden Programm. So weiß der Autofokus, ob er das Motiv im Vordergrund wählen soll, oder ob der Fotograf selbst manuell das gewünschte Messfeld anwählen möchte.

Einführung in die Digitalfotografie 14 – Das Gegenlicht hat seinen besonderen Reiz

Eine alte Fotografenweisheit besagt, dass nicht gegen das Licht fotografiert werden darf. Nicht immer aber ist ein Standortwechsel des Fotografen möglich, um die Gegenlichtsituation zu verändern. Manchmal ist das Gegenlicht für den Fotografen gar nicht so leicht erkennbar, weil das menschliche Auge sich bereits an die Lichtverhältnisse gewöhnt hat, die Kamera aber wesentlich empfindlicher reagiert. Ein kleiner Trick besteht darin, so nah an das Motiv heranzugehen, dass es das Bild vollständig dominiert, so nimmt die Kamera die Überbelichtung nicht mehr wahr. Bei kleineren, in der Nähe befindlichen Motiven reicht häufig auch die Verwendung des Blitzlichts aus. Für entfernte Motive und Landschaftsaufnahmen eignet sich diese Technik jedoch nicht. Da jede Regel ihre Ausnahme kennt, waren gewisse Bildsituationen gerade im Gegenlicht schon immer besonders reizvoll. Unabhängig davon sind moderne digitale Spiegelreflexkameras mit zahlreichen Funktionen ausgestattet, um auch in kritischen Belichtungssituationen noch hervorragende Aufnahmen zu realisieren. Die richtige Belichtungseinstellung ist gerade in dieser kritischen Situation das A und O für eine gelungene Aufnahme. Mit ein paar kleinen Tricks lässt sich die Belichtungsautomatik der Kamera überlisten und erlaubt oft sogar besonders reizvolle Ergebnisse. Manchmal reicht eine einfache, manuelle Belichtungskorrektur bereits aus, um die automatischen Messergebnisse der Kamera ein wenig zu verändern. Bei nur leichtem Gegenlicht reicht meist die Anwendung des aktiven D-Lightning-Programms, über das fast alle DSLR-Kameras verfügen, bereits aus. Diese Funktion lässt sich auch im Nachhinein noch in der Bildbearbeitung anwenden und hellt das Motiv ein wenig auf.

Foto: Arnold Paul

Insbesondere alternative Messmethoden tragen aber dazu bei, den überbelichteten Hintergrund zu vernachlässigen und ausschließlich das Motiv in den Mittelpunkt der Belichtung zu stellen. Die häufigste Methode, um das Gegenlicht auszuschalten, ist die alternative Belichtungsmessung auf einem dunkleren Motiv. Dazu sucht sich der Fotograf ein entsprechendes Motiv in gleicher Entfernung, aber einer anderen Richtung. Die meisten Digitalkameras speichern die Belichtungswerte, wenn der Auslölser halb gedrückt wird. Anschließend wird die Kamera wieder auf das gewünschte Motiv geschwenkt und der Auslöser druchgedrückt. Mit Hilfe der Spotmessung gelingen insbesondere Porträts bei Gegenlicht besonders gut.