Archiv für Mai 2010

Nachzieheffekte bei Nachtaufnahmen

Nachtaufnahmen, die auf ganz besondere Weise mit einer Dynamik gefüllt sind, sind Aufnahmen von stark befahrenen Straßen in einer hell erleuchteten Großstadt. Bei einer langen Belichtungszeit ziehen die Scheinwerfer und Rücklichter der Autos auf den Straßen bunte Lichtstreifen nach sich. Auch auf einer Kirmes lassen sich derartige Effekte erzielen, wenn zum Beispiel schnell drehende, bunt beleuchtete Karussells auf diese Weise fotografiert werden. Um ein solches Bild richtig in Szene zu setzen, muss jedoch der Standort des Fotografen richtig gewählt werden. Wichtig ist darüber hinaus, dass sich die Objekte relativ schnell bewegen, da sie ansonsten nur verwackelt im Bild erscheinen würden.

Während sich für das Karussell durchaus ein Standort unterhalb des Motivs anbieten kann, lässt sich der Nachzieheffekt auf befahrenen Straßen am ehesten einfangen, wenn die Aufnahme von einem höheren Standort aus erfolgt, zum Beispiel aus einem Fenster oder von einem hohen Gebäude, wo man einen besonders guten Blick über die Stadt und die Straßen hat. Nachtaufnahmen mit Nachzieheffekt sind nur mit einem Stativ möglich, da eine lange Belichtungszeit erforderlich ist und die Kamera nicht verwackeln darf. Je größer der Blickwinkel ist, umso effektvoller wird das Bild. Damit die Beleuchtungen der Stadt nicht zu Fehlfarben führen, muss zunächst ein manueller Weißabgleich vorgenommen werden. Anschließend stellt man die Belichtungszeit manuell ein, nachdem man sämtliche Automatik-Programme abgeschaltet hat. Eine Belichtungszeit von zwei bis drei Sekunden ist ideal. Bei längeren Belichtungszeiten wird der Effekt noch intensiver. Die Blende wird ebenfalls manuell auf einen mittleren Wert von 5,6 bis 7,1 eingestellt. Die Auslösung sollte mit einem Fernauslöser oder durch den Selbstauslöser erfolgen, damit selbst der Auslöseknopf keine Verwacklung hervorrufen kann.

Außenaufnahmen bei Nacht

Außenaufnahmen, die bei Dunkelheit in einer klaren Nacht von angestrahlten Gebäuden, einem Feuerwerk oder beleuchteten Schiffen erstellt werden, üben einen ganz besonderen Reiz aus, da die beleuchteten Objekte in der dunklen Umgebung auf eine ganz besondere Weise zur Geltung kommen. Um diese Effekte zu erzielen, lässt sich natürlich kein Blitzlicht einsetzen. Mit einigen kleinen Tricks ist es jedoch gar nicht so schwer, derart effektvolle Fotos zu machen. Wichtig ist die Motivauswahl, denn es muss schon ein bildfüllendes Hauptmotiv sein, das mit seiner Beleuchtung den besonderen Effekt erzielt. Das Foto sollte keine großen, unbeleuchteten Flächen enthalten. Auch ein hell erleuchtetes Gebäude allein bietet sich noch nicht als Motiv an. Effektvoll werden Nachtaufnahmen, wenn es mehrere Lichtquellen gibt und die möglichst noch verschiedene Farben zeigen. Ein angestrahltes, historisches Gebäude, vor dem sich ein ebenfalls durch Strahler erleuchteter, grüner Baum befindet, wäre zum Beispiel hervorragend als Motiv geeignet. Belebte Straßen oder ein Kirmes-Platz mit den dazugehörigen bunten Lichtern sind ebenfalls ideale Motive für effektvolle Nachtaufnahmen.

Um das Objekt möglichst attraktiv darzustellen, benötigt man eine lange Belichtungszeit und sollte auf jeden Fall ein Stativ zu Hilfe nehmen. Belichtungszeiten von einer Sekunde und mehr sind keine Seltenheit, um die gewünschte Wirkung im Bild zu erzielen.

Was bedeutet Weißabgleich?

Foto: Lucias Clay
Lizenz: CreativeCommons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 2.0 Generic

Licht aus unterschiedlichen Quellen hat verschiedene Farbtemperaturen. So unterscheidet sich beispielsweise das Licht der Sonne bei klarem Himmel von dem einer Glühlampe oder Neonröhre. Wir Menschen nehmen diese Variationen kaum wahr, weil sie vom Gehirn automatisch kompensiert werden. Für Kameras gilt dies nicht ohne weiteres. Fotos von ein und demselben Motiv können je nach Lichtquelle völlig unterschiedliche Farben aufweisen. Um dies auszugleichen, verfügen die meisten Digitalkameras über einen automatischen Weißabgleich. Hierzu analysiert der Rechner der Kamera die Zusammensetzung des einfallenden Lichts. Mit Hilfe dieser Messungen und aufwändiger Berechnungen gleicht er dann eventuelle Farbabweichungen aus. So ist sichergestellt, dass auch bei wechselnden Lichtverhältnissen Bilder mit lebensechten Farben aufgezeichnet werden.

Viele Digitalkameras verfügen zusätzlich über eine Funktion zum manuellen Weißabgleich. Um die Abweichung der Farbtemperatur des Umgebungslichts von der des neutral-weißen Lichts ermitteln zu können, wird das Objektiv auf einen weißen Gegenstand gerichtet. Mit dem so gemessenen Farbtemperaturwert kann die Kamera exakt auf die aktuellen Lichtverhältnisse eingestellt werden. Außerdem kann der Fotograf meist noch auf ein Anzahl Voreinstellungen für z.B. Sonnenlicht, bewölkten Himmel oder Kunstlicht zurückgreifen.

Das Foto oben zeigt zweimal das gleiche Motiv, das bei Kerzenschein fotografiert wurde. Links kam der automatische Weißabgleich zum Einsatz, rechts der manuelle, wobei ein Blatt Kopierpapier als Referenz diente.

Sonnenuntergänge und Schattenspiele

Der Sonnenuntergang ist wohl eines der beliebtesten Motive nicht nur von Hobbyfotografen, sondern auch von Profis. Es wird viel Mühe und Geduld darauf verwendet, den einen, idealen Sonnenuntergang zu fotografieren. Wen es aber nicht mehr reizt, allein den Sonnenuntergang als Motiv zu wählen, der kann dazu übergehen, ihn mit verschiedenen Schattenspielen zu ergänzen und ihm damit ein ganz neues Erscheinungsbild zu verleihen. Die landschaftliche Umgebung, in der ein Sonnenuntergang fotografiert wird, lässt sich aufgrund der eingeschränkten Lichtverhältnisse auf dem Foto nicht mehr eindeutig darstellen, sie bietet sich aber als Schattenmotiv an. Sehr schön und kunstvoll wirken in diesem Zusammenhang hohe Gräser, die sich vor dem Sonnenuntergang erstrecken oder architektonische Elemente wie Bootsstege oder Landungsbrücken. Auch ein Baum, hinter dem die Sonne untergeht, kann eine sehr reizvolle Wirkung erzeugen. Dazu dürfen die Schattenmotive weder von der Sonne, noch von anderen Lichtquellen beleuchtet sein, sondern sollten sich vor dem Gegenlicht des Sonnenuntergangs befinden. Die Wirkung lässt sich intensivieren, wenn zusätzlich eine manuelle Unterbelichtung erfolgt.

Was ist Blooming?

Mit Blooming bezeichnet man ein technisches Problem, das im Bereich des Bildsensors einer Digitalkamera auftreten kann. Zu dieser Bildstörung kommt es immer dann, wenn nur ein einzelner Bereich des Motivs außergewöhnlich hell ist. Da die Belichtungsmessung sich an den Lichtverhältnissen des gesamten Motivs orientiert, führt der deutlich hellere Bereich zu einer Überlagerung benachbarter Zonen innerhalb des Motivbereichs. Dazu kommt es, weil einzelne Fotozellen des Bildsensors eine zu starke Ladung erhalten und diese auf die benachbarten, dunkler belichteten Fotozellen überspringen. Dadurch entstehen helle Streifen, die unter Umständen bis an den Bildrand reichen können. Gelegentlich werden durch das Blooming auch bunte Ränder um den hellen Bildbereich herum erzeugt. Auf die Entstehung dieses Effekts hat der Fotograf wenig Einfluss. Die CCD-Hersteller haben aber bereits Möglichkeiten entwickelt, dieser Bildstörung entgegen zu wirken.  Zu diesen Techniken zählen das vertikale und das horizontale Antiblooming sowie das Clocked Antiblooming. In allen drei Fällen wird versucht, ein Übergreifen der Elektronen auf benachbarte Zellen des Bildsensors zu vermeiden.

Der Blickfang

Einer der Ansätze der klassischen Fotografie der Natur ist es, ein bestimmtes Element des Motivs besonders hervorzuheben, so dass es die Komposition des Bildes beherrscht.

Bei Landschaften und Naturfotos bestimmt der gewählte Bildausschnitt den Blick und damit auch die Wahrnehmung. Bei der direkten Betrachtung lässt man die Augen wandern, erfasst hier und da Details, schweift weiter und baut so allmählich einen Gesamteindruck auf.

Ein Foto hingegen kanalisiert den Blick auf den dargestellten Bereich, und was darin nicht abgebildet ist, kommt in der Wahrnehmung auch nicht vor.

Allerdings sucht das Auge sowohl in der freien Natur als auch auf einem Abbild davon nach Referenzpunkten, die dem Bild einen Sinn geben oder zumindest die Orientierung erleichtern.

Durch einen einzelnen Blickfang ergeben sich die meisten Freiheiten für den Fotografen. Er kann durch sich Nähern oder Entfernen oder Herumlaufen dem gewählten herausragenden Detail jede beliebige Größe und Richtung geben und den Blickfang dadurch beliebig in Relation zum weiteren Bildinhalt bringen.

Man kann natürlich auch mehrere Elemente herausstechen lassen, aber das beschneidet die Freiheit der Bildkomposition so stark, dass man in der Regel nur einen Blickfang benutzt.

Die natürliche Umrahmung

Steinformationen, Torbögen, hohle Äste oder Bäume und überhängende Zweige können als natürliche Rahmen die Komposition eines Bildes deutlich verstärken –  allerdings immer mit der Gefahr, ins Klischeehafte der Postkartenfotografie abzudriften.

Manchmal findet man passende natürliche Elemente, die sich als Rahmen eines Fotos förmlich anbieten. Allerdings zeigt dieser fotografische Kunstgriff seine volle Wirkung nur dann, wenn er sehr sparsam eingesetzt wird.

Nutzt man ihn zu häufig, wird es vorhersehbar und langweilig. Bei einer stimmigen Komposition rundet ein natürlicher Rahmen, der ja auch Teil der Szenerie ist, das Bild ab.

So ein Rahmen gibt dem Betrachter die Blickrichtung deutlich vor und konzentriert die Aufmerksamkeit auf das zentrale Motiv innerhalb des Rahmens. Die Kombination von Rahmen und Inhalt gibt dem Bild eine besondere Tiefe, die je nach Motiv so intensiv sein kann, dass der Betrachter fast in das Bild hinein gezogen wird und der Blick durch den Rahmen in eine ganz andere Szene führt.

Manchmal stört das Blitzlicht – Umgebungslicht einfangen

Es gibt immer wieder Anlässe, bei denen eine besondere Stimmung eingefangen werden soll. Das ist zum Beispiel auf Partys der Fall, bei einem Grillabend oder einem gemütlichen Essen, aber auch bei bestimmten Veranstaltungen. Die Stimmung kann in solchen Situationen auf einem Foto nur wiedergegeben werden, wenn auch das besondere Licht der Umgebung erhalten bleibt. Ein Blitzlicht würde das Umgebungslicht ausblenden und unnatürlich erhellen. Die besondere Stimmung kann ein Foto in einem solchen Fall nicht wiedergeben. Mit ein paar kleinen Tricks lässt sich aber auch eine solche Stimmung im Foto einfangen. Dazu benötigt man zunächst ein lichtstarkes Objektiv, das eine Blende 2,0 oder noch kleiner, ermöglicht. Bei einem Zoomobjektiv sollte eine Brennweite zwischen 35 und 50 mm gewählt werden. Die Lichtempfindlichkeit der Kamera sollte auf ISO 200 oder ISO 400 eingestellt sein. Bei einer Kamera mit einem geringen Rauschverhalten kann sogar ein Wert von ISO 800 gewählt werden. Als Belichtungszeit wählt man abhängig von der Bewegung des Motivs 1/30 oder 1/60 Sekunde, mit Bildstabilisator ist auch 1/10 Sekunde möglich. Im Idealfall verwendet man ein einfaches Stativ, um Verwackelungen auszuschließen. Ideal ist ein Standort des Fotografen, an dem er das Umgebungslicht im Rücken hat, so dass es auch das Motiv beleuchtet. Mit leicht veränderten Einstellungen erstellt man nun mehrere Aufnahmen, um die ideale Belichtung ohne Blitz zu erreichen.

Richtige Belichtung in großen Räumen

In Innenräumen reicht das Tageslicht häufig nicht aus, um auf das Blitzlicht verzichten zu können. Da der Blitz seine Wirkung aber auch nur in einem räumlich eingeschränkten Bereich erzielt, ist es besonders problematisch, Innenaufnahmen in großen Räumen und Hallen mit einer ausreichenden Belichtung zu erstellen. In der Regel wählt man in solchen Fällen eine längere Belichtungszeit. Was aber, wenn es in der Halle turbulent zugeht, wenn zum Beispiel Aufnahmen von einer Sportveranstaltung oder anderen Gelegenheiten, bei denen sich Menschen bewegen, erzeugt werden sollen? Die Wahl der längeren Belichtungszeit würde in einem solchen Fall dazu führen, dass die Personen verwackelt oder verschwommen dargestellt werden. Wie so oft kann auch in einem solchen Fall die richtige Kombination von Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit und Blende weiterhelfen. Dazu sollte eine Lichtempfindlichkeit von ISO 200 oder ISO 400 gewählt werden sowie eine Verschlusszeit von 1/60 oder 1/80 Sekunde. Die Blendeneinstellung kann der Kameraautomatik überlassen werden und wird vermutlich weit geöffnet sein. Die Aufnahme wird trotz der eingeschränkten Wirkung mit Blitzlicht gemacht, wobei jedoch alle Messblitze und Vorblitze abgeschaltet werden. Ideal zum Auslösen ist ein Moment, in dem etwas weniger Bewegung herrscht. Besser ist es, mehrere Aufnahmen mit leicht veränderten Werten zu erstellen, so dass eine sicherlich ein optimales Ergebnis bieten wird.